Prof. Dr. Regine Prange

E-Mail r.prange@kunst.uni-frankfurt.de

Raum 316c
Telefon (069)798-22221 od. 28427 (Sekretariat Frau Reusch)

Sprechstunden

Sprechstunden in den Semesterferien:
28. Juli, 18. August, 22. September, 13. Oktober, jeweils 13-15 Uhr
und nach Vereinbarung.
Anmeldung über Frau Reusch: Tel. 798-28427 oder per email (hier bitte Anliegen und Handy-Nummer angeben)

Lebenslauf

  • Studium der Kunstgeschichte, Neueren Geschichte, Klassischen Archäologie und Soziologie in München und Berlin.
  • Promotion an der FU 1990, Thema: Das Kristalline als Kunstsymbol. Zur Reflexion des Abstrakten in Kunst und Kunsttheorie der Moderne.
  • 1991-1997 wissenschaftliche Assistentin am Kunsthistorischen Institut Tübingen, Habilitation 1997 mit einer Schrift zum Thema ‚Das ikonoklastische Bild. Piet Mondrian und die Selbstkritik der Kunst‘.
  • Nach Vertretungsprofessuren in Berlin (Humboldt-Universität) und Frankfurt a.M. 1999 Professorin für Kunstgeschichte in Marburg. Seit WS 2001 Lehrstuhl für Neuere und Neueste Kunstgeschichte, Kunst- und Medientheorie in Frankfurt a.M.


Forschungsschwerpunkte
 

  • Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts, insbesondere Geschichte der abstrakten Malerei;
  • Utopien und Theorien der modernen Kunst;
  • Geschichte des Faches Kunstgeschichte und seiner Methoden;
  • Ästhetik des Kinofilms.


Aktuelles Arbeitsfeld / Positionsbestimmung

Auch die heutige Akzeptanz der vielfältigen Strömungen zeitgenössischer Kunst täuscht über eine weiterbestehende Schwierigkeit ihrer Verfasstheit nicht hinweg: In der Moderne, deren Beginn um 1800 anzusetzen ist, und deren historischen Raum auch die sog. Postmoderne nicht verlassen hat, ist die Selbstverständlichkeit der Kunst abhanden gekommen.  Alle ihre Praktiken und Utopien zielen auf Wiedergewinnung des Sinns vor dem Hintergrund einer Krise, die beschrieben werden kann als Verlust jener repräsentativen Bedeutung, die Kunst und Künstler in der feudalen Gesellschaft innehatten und die die bürgerliche Gesellschaft nicht zu bieten hat.  Notwendig folgte hieraus der Dialog der Kunst mit sich selbst, die in Theorie und Praxis gleichermaßen verfolgte Frage nach ihrem Wesen in der modernen Gesellschaft, nach ihrem Verhältnis zu Marktökonomie, Demokratie und Sozialismus.  Will die kunstgeschichtliche Forschung diesem immanent kunsttheoretischen Moment moderner und zeitgenössischer Kunst gerecht werden und sich nicht einfach auf die Eigenkommentare von Künstlern und Künstlerinnen verlassen, sieht sie sich vor die Aufgabe gestellt, die traditionell im Rahmen ihrer Selbstbegründung als historischer Wissenschaft verdrängte Frage nach dem Künstlerischen der Kunst in den Mittelpunkt zu stellen, der philosophischen Ästhetik und ihrer Verhältnisbestimmung von Kunst und Erkenntnis Raum zu geben, ohne die Frage nach Gesellschaft und Geschichte aus den Augen zu verlieren.

Die von mir vertretene materialistische  Bild- und Medienwissenschaft arbeitet an einer Revision der klassischen kunsthistorischen Methoden und knüpft an die Frankfurter Schule, insbesondere Adorno, an. Seine These zur modernen Selbstkritik der Kunst bietet ein dialektisches Denkmodell, das den nicht erst bei Duchamp anhebenden modernen Prozess der ‚Entkunstung‘ der Kunst an die Kategorie des Kunstwerks zurückbindet, ja eine negative, gegen die ästhetische Automie auftretende Kraft gerade an den Bestand des Werks als geschlossener Entität knüpft. Im Gegensatz dazu wird gegenwärtig weithin die Obsoletheit des Werkbegriffs proklamiert, wozu die multimediale Entgrenzung  der Kunst in Installation und Aktion seit 1960 Anlass liefert.  An die Stelle des Werks rückt für diese Sichtweisen freilich notwendig eine andere, für Kunst und Wahrheit bürgende Instanz – die des produzierenden und rezipierenden Subjekts.

Als in die Gegenwart gerettetes Axiom bürgerlicher Ideologie und idealistischer Ästhetik stellt das Phantasma der Individualität aus meiner Sicht das zentrale Desiderat einer materialistischen Moderneforschung dar. Meine Kritik an wahrnehmungstheoretischen Leitideen (auch von Adornos Ästhetik) zielt auf die formanalytische Entfaltung der Einsicht, dass die Selbstkritik der Kunst im Modus der Aufkündigung des Scheins auch eine Kritik der Idee eines sich selbst bestimmenden Ichs impliziert. Die Psychoanalyse Lacans, aber auch ein Rückbezug auf Hegels Phänomenologie sind für die konzeptuelle Entwicklung dieser Überlegungen von Belang.

Als bildkünstlerischer ist der beschriebene Problemkomplex in einer formalen Operation fassbar, die in der gesamten Kunstmoderne bis in die Gegenwart anzutreffen ist: in der Destruktion der zentralperspektivischen Totalität , die im klassischen Tafelbild und seinem populären Nachfolger, dem Hollywoodkino, den individuellen Betrachter produziert. Damit einher geht in der Bildkunst der Moderne zwischen Casapar David Friedrich und Jeff Koons , neu aufgelegt zwischen Luis Buňuel und Jean-Luc Godard, die Reflexion der Linie als ästhetischer Grenze, welche zwischen Gestalt und Grund, zwischen Bild und Wand eine ontologische Differenz setzt. In der Malerei folgt hieraus die unaufhebbare Spannung zwischen materialem Träger und Raum, im Film die Ausstellung des vom Erzählkino verleugneten Schnitts. In beiden Medien findet sich ein kunst- und subjektkritischer Impetus des weiteren in der Attackierung von Gattungsgrenzen wieder, denn auch die Gattung oder das Genre dienen wie die fiktionale Raumeinheit des neuzeitlichen Gemäldes der Vergewisserung über ein intaktes subjektives Bewusstseinsfeld. Von hier aus kann der Blick wiederum auch neu geschärft werden für die Entgrenzungsphänomene der zeitgenössischen Kunst und deren Intermedialität.


Suche