24.11.20 Michael Wenzel

Dr. Michael Wenzel, Herzog August-Bibliothek, Wolfenbüttel: Philipp Hainhofer – Handlungsentwürfe eines Kunstagenten um 1600

Der Augsburger Kaufherr Philipp Hainhofer (1578–1647) war ein „double agent“ – er vermittelte und praktizierte politische und kulturelle Kommunikation und er handelte mit Kunstwerken, die er zum Teil selbst entwarf und nach seinen Vorgaben anfertigen ließ. Der Vortrag möchte innerhalb dieses Handlungsrahmens im Wesentlichen zwei Aspekte genauer betrachten, und zwar zum einen die durch den Kaufherrn betriebene Entwicklung von für den Markt bestimmten hybriden Kunstmöbeln. Diese Hauptwerke der angewandten Kunst entstanden im Kontext einer von Überbietungsstrategien geprägten höfischen Kultur im Vorfeld des Dreißigjährigen Krieges.

Zum anderen wird die Problematik des Kunsthandels über große räumliche Distanzen behandelt, also die Vermittlung und der Verkauf von Kunst, ohne selbst zu reisen und das Handelsgut mit sich zu führen. Beide Gesichtspunkte führen letztendlich auf einen gemeinsamen Problemkreis zurück: die Notwendigkeit zur Versprachlichung von bildender Kunst und generell von Visuellem in einem Zeitalter der merkantilen Expansion.


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