Fühlen und Erkennen. Kognitive Funktionen der Darstellung von Emotionen in der mittelalterlichen Kunst

Die Entwicklung der mittelalterlichen Kunst hat in der Konstitution und Kodifizierung pathognomischer und physiognomischer Ausdrucksformen eine ihrer prägnanten Erscheinungen. Die Darstellung von Emotionen spielt bei fast allen Zäsuren in der mittelalterlichen Kunst eine zentrale Rolle. Hier setzen die Teilprojekte des Vorhabens an. 
Die Bedeutung, die der Emotionsvermittlung zukommt, ist an der Ausbildung des Leidensvokabulars des frühmittelalterlichen Crucifixus im Spannungsfeld von Bilderstreit, Sakramentenlehre und Passionsfrömmigkeit aufzuzeigen. Damit wird gleichzeitig die Basis für die Analyse späterer Emotionsdarstellungen gelegt. Wie sich vorbildhafte Typen der Emotionsdarstellung konstituieren und zu Mustern der Wirklichkeitsbewältigung werden, das komplizierte Verhältnis von Vorbild und Nachbild in der Wahrnehmung der Wirklichkeit soll an der Emotionsdarstellung in der spätmittelalterlichen Skulptur analysiert werden. 
Bei der Darstellung des devotionalen Stifters in spätmittelalterlicher niederländischer, vor allem aber deutscher Kunst ansetzend, sollen Emotionsstrategien des Sehens und der Selbsterkenntnis untersucht werden, wobei von der Frage nach den Identifikationsmöglichkeiten des Betrachters und dem (emotionalen) Aspekt der Visio als höchste Stufe der Devotio Moderna ausgegangen werden soll. 
Diese Fragestellungen werden in die Diskussion des mittelalterlichen "Realismus" eingebunden, um den Stellenwert zu beleuchten, der der Emotionsdarstellung in den Realitätskonzepten der bildenden Kunst zukommt. Ziel des Projektes ist es, eine Grundlage mediävistischer kognitiver Emotionsforschung zu legen und dadurch mehr von der Bedeutung der Darstellung von Emotionen in der mittelalterlichen Kunst zu erfahren.

Projektleitung: 
Prof. Dr. Martin Büchsel

Projektmitarbeiter: 
Dr. des Tanja Praske, Christine Taxer M.A., Johanna Scheel M.A., Tobias Frese M.A. Berenike Berentzen M.A. 

Förderer:
DFG 
Die Förderphase für dieses Projekt wurde am 1.9.2010 beendet.


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