Teilprojekt Johanna Scheel M.A.

Johanna Scheel M.A.

Lebenslauf:
Studium der Kunstgeschichte, mittleren und neueren Geschichte in Frankfurt am Main. 2007 Hochschulabschluss mit der Magisterarbeit „Bilder der Apokalypse im Spätmittelalter - die Tapisserie von Angers“. 2002-2006 studentische Hilfskraft am Kunstgeschichtlichen Institut und freie Mitarbeiterin in der Graphischen Sammlung des Städelschen Kunstinstitut. 

Teilprojekt: „Darstellungen des devotionalen Stifters im Spätmittelalter. Emotionsstrategien des Sehens und der Selbsterkenntnis.“

Die Einbindung des Bildes in spätmittelalterliche Devotionsstrategien ist auf eine emotionale Kommunikation mit dem Betrachter ausgelegt: Compunctio, Compassio, Imitatio werden dem Betrachter vorbildhaft durch das Bildpersonal vor Augen gestellt; so wird es für ihn zur Identifikation und als Medium der Devotion nutzbar. Als weitere, für den Betrachter näher liegende Person kommt der Stifter in Frage, der sich in zeitgenössischer Kleidung, in einem mehr und mehr perspektivisch entwickelten Bildraum und mit zunehmend veristischer Physiognomie in überwiegend devoter Position darstellen ließ – jedoch in seiner Darstellung vordergründig keinerlei vorbildhafte Emotion bieten kann. 
Ist hier trotz dessen mimischer Unbewegtheit durch den dargestellten Stifter dennoch Emotionsvermittlung intendiert? Wie könnte diese geschehen? 
Diese mögliche Schere zwischen gezeigten und erzeugten Emotionen ist durch die Einbettung in den ideengeschichtlichen Hintergrund anhand zeitgenössischer Quellen und im Vergleich von niederländischer mit (nord)deutscher Kunst des 15. Jahrhunderts zu verifizieren und zu ergründen. Um über die im Kontext der Devotio Moderna von der Forschung gerne als „devotionale Konzentration“ ausgelegte „Emotionslosigkeit“ des Stifters als Interpretationsziel hinauszugelangen, ist darüber hinaus das Hinzuziehen von empirischen Erkenntnissen moderner Naturwissenschaften sinnvoll. 
Das „Benutzen“ von Bildwerken mit Darstellungen des Stifters in der Andacht wird in der Forschung fast ausschließlich aus der Perspektive seiner Nachkommen und deren Zeitgenossen gesehen. Für den Stifter selber sieht man die Funktion des Stifterbildes prinzipiell in sozialer Repräsentation oder sepulchraler Ausrichtung (Memoria, Heilsversicherung), allenfalls als „religiöses Wunschbild“, eine Verbildlichung seines Erlösungsbedürfnisses oder auch der höchsten Stufe der Devotion: der Visio. Dabei wird der Fakt vernachlässigt, dass die Stifter ihre Bilder zu Lebzeiten in Auftrag gaben und lange Jahre oder gar Jahrzehnte in der eigenen, persönlichen Andacht nutzten. 
Wie funktioniert also das Stifterbild für den Stifter selber in der Devotion? Warum betet er vor seinem eigenen betenden Abbild? Wird hier durch die „Spiegelung“ seiner Selbst und die Doppelung der Wirklichkeit – oft erweitert durch eine visionäre Szene – ein besonderer (emotionaler) Prozess ausgelöst? Wieder muss diesen Fragen mit einer Untersuchung mit verschiedenen Methoden begegnet werden, sowohl mit naturwissenschaftlichen Theorien als auch durch das Verorten im historischen und theologischen Kontext der Zeit, als auch mit Bildthemen, die ähnliche Doppelungsphänomene (wie z.B. die sog. Gregorsmesse) oder Visionsszenen (z.B. aus Apokalypsedarstellungen) zeigen, die dem Stifterbild vergleichbar sind. 
Die herausgearbeiteten Beobachtungen aus beiden Teilen (Wie „funktioniert“ das Stifterbild für den Stifter – wie „funktioniert“ das Stifterbild für andere Personen?) sollen zuletzt in einer Zusammenschau der Ergebnisse verbunden werden.


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