Dr. Hilja Droste

Projekte

Hauptseminar Wanderer zwischen den Welten: Katsinam, tithu und Aby Warburg. Ein interdisziplinäres Projektseminar für die Studierende der Kunstgeschichte und Ethnologie, zusammen mit Dr. Markus Linder (Institut für Ethnologie), SoSe 2020

In dem einsemestrigen Projektseminar erarbeiten die Teilnehmer*innen gemeinsam eine virtuelle Ausstellung zur Ferretti-Sammlung von Katsina-Figuren (tithu) des Nordamerika Native Museum der Stadt Zürich (NONAM), das auch Kooperationspartner sein wird. Zu diesem Zweck werden nicht nur die Sammlung dokumentiert und Provenienzforschung betrieben, sondern auch historische und kunsthistorische Kontextualisierungen zur Rezeption der Hopi und der tithu stattfinden: Die Studierende beschäftigen sich mit der Rezeption von Katsina-Figuren seit dem Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866-1929), auf den sich der Projekttitel „Wanderer zwischen den Welten“ ebenso bezieht, wie auf die Katsinam, die sich als Geistwesen zwischen der Unterwelt und unserer Welt bewegen. Zugleich deutet er auch auf die Bedeutungsverschiebung der Figuren hin, wenn sie von den Hopi in ein Museum wechseln. Flankierend zu der Lehrveranstaltung soll im Juni 2020 eine zweitägige internationale Tagung in Frankfurt stattfinden, zu der Wissenschaftler*innen aus Amerika, Deutschland und Schweiz als Vortragende eingeladen sind.

Das Projekt wird vom Förderfonds Lehre und vom Starken Start gefördert.



Proseminar 2000 Jahre Kunst und Kultur – Neue Wege der musealen Vermittlung im Hessisches Landesmuseum Darmstadt, zusammen mit Dr. Lutz Fichtner (HLMD) und Dr. Thomas Foerster (HLMD), SoSe 2019

Die Sammlungen des Hessischen Landesmuseums Darmstadt (HLMD) gehen auf Großherzog Ludewig I. von Hessen-Darmstadt (reg. 1790 bis 1830) zurück. Er baute die Universalsammlung in seinem Residenzschloss „zur Beförderung wahrer Aufklärung und Verbreitung nützlicher Kenntnisse“ in ihrer Vielfalt auf und öffnete sie ab 1815 dem Publikum. Ab 1906 vereinigte der von dem Darmstädter Architekten Alfred Messel errichtete heutige Museumsbau die verschiedenen Bestände, sodass das HLMD bis in die Gegenwart zu den wenigen Museen in Deutschland und in Europa zählt, die mit einem enzyklopädischen Profil noch mehrere Fachdisziplinen unter einem Dach versammeln. Das Museum verfügt über Sammlungen in den Bereichen Ur- und Frühgeschichte, ägyptische, griechische und römische Archäologie, mittelalterliche Goldschmiede- und Elfenbeinarbeiten und Altargemälde, Glasmalerei vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert sowie Malerei, Plastik, Kunstgewerbe von der Renaissance bis zur Gegenwart. Der Werkkomplex Joseph Beuys gehört ebenso zur Sammlung, wie ein mathematisch-physikalisches Kabinett, historische Musikinstrumente, eine umfangreiche Graphische Sammlung sowie eine naturgeschichtliche Abteilung mit den Schwerpunkten Zoologie, Mineralogie, Geologie-Paläontologie einschließlich der Fossilien der Grube Messel.

Im Rahmen des Proseminars bearbeiteten die Studierende in mehreren Kleingruppen ein Konzept für eine 60-90 minütige Museumsführung im HLMD und präsentierten es am Ende des Semesters. Der Ausgangspunkt waren die Exponate aus den verschiedenen Abteilungen des Museums, die die Teilnehmer des Proseminars für die Führung mit einem thematischen Rahmen aussuchen konnten. Zu den ausgewählten Objekten verfassten sie Kurztexte, wodurch das professionelle Schreiben geübt wurde. Die von Studierenden konzipierte Führung durch das Museum sollte das breite Spektrum der umfangreichen Sammlung präsentieren und damit ungewöhnliche und überraschende Blicke auf die Bestände des HLMD ermöglichen. Die Aufgabe für die Studierende war es, die Objekte gemäß dem gewählten Thema kreativ in einem neuen Zusammenhang darzustellen. Dieser Themenrundgang / diese Museumsführung bildete im Kleinen das Konzept für eine mögliche kuratorische Praxis und bat die Möglichkeit neue museumsdidaktische Zugänge für die Vermittlung kennenzulernen und anzuwenden.



Seminar/Übung Das mittelalterliche Frankfurt – interaktiv: Ein interdisziplinäres Service-Learning-Projekt der Fächer Kunstgeschichte und Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt, zusammen mit Dr. Gabriele Annas (Historisches Seminar / Deutsche Reichstagsakten, Ältere Reihe) und Dr. Peter Gorzolla (Historisches Seminar), WS 2017/18

Jenseits des bereits seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts anhaltenden öffentlichkeits-wirksamen Mittelalterbooms konkretisieren sich in der Beschäftigung mit dem „fernen Spiegel“ Mittelalter die materiellen und historischen Wurzeln europäischer Gesellschaften, die als gelebtes Erbe bis in die Gegenwart hineinreichen. Die Gegenwärtigkeit des Vergangenen vor dem Objekt der überbauten Stadt auch für eine breitere Öffentlichkeit – im Rahmen eines Service-Learning-Projekts – sichtbar zu machen, war das Thema der interdisziplinären Lehrveranstaltung, die im Wintersemester 2017/18 an der Goethe-Universität Frankfurt/Main unter dem Titel „Das mittelalterliche Frankfurt – interaktiv“ abgehalten wurde. Gemeinsam mit Studierenden der Kunstgeschichte und Geschichte und in Kooperation mit vier städtischen Institutionen (Historisches Museum Frankfurt, Institut für die Stadtgeschichte, Jüdisches Museum und Städel-Museum) wurden dabei insgesamt sieben interaktive Stadtrundgänge zur Geschichte, Kunst und Kultur des mittelalterlichen Frankfurt für ein (kunst-)historisch interessiertes Publikum entwickelt.

Als digitale Grundlage wurde eine allgemein verbreitete, leicht zu bedienende und für den Nutzer kostenlose Mobilfon-App (Actionbound) verwendet, die als Einzel- oder Gruppenbound durchgeführt werden kann. Durch die vielfältigen medialen Möglichkeiten dieser interaktiven Bounds – Texte, Abbildungen, Audio- und Videodateien – können in Verbindung mit spielerischen Elementen auch komplexe Sachverhalte anschaulich und wissenschaftlich fundiert vermittelt werden. Ausgerichtet auf spezifische Zielgruppen wurden von den Studierenden „klassische“ Stadtrundgänge ebenso konzeptualisiert wie personalisierte (auch mundartliche) Führungen durch fiktionale oder historische Persönlichkeiten, Messe und Handel ebenso thematisiert wie Prostitution, die Geschichte eines Kunstobjekts und seines Auftragsgebers sowie das jüdische Leben im mittelalterlichen Frankfurt.

Das Projekt wurde von der Benvenuto Cellini-Gesellschaft e.V. und historiae faveo gefördert.

Auf den Spuren des mittelalterlichen Frankfurt - die Touren:

Glanz und Gloria: Sie sind eingeladen, sich den Wohnsitz und die Kunststiftungen des reichsten Mannes seiner Zeit in Frankfurt anzuschauen. Begleiten Sie den vornehmen Patrizier Claus Stalburg den Reichen auf einem Spaziergang durch die Stadt und erfahren Sie - Stück für Stück - mehr über seine Geschäftswelt und was man in der damaligen "High Society" beachten musste.

Sex Sells! So verkehrte Frankfurt im Mittelalter: Prostitution und Rotlichtmilieu - das gab schon im Mittelalter! Die Stadtführung begleitet Sie zu den mittelalterlichen Orten der Prostitution und vermittelt Wissenswertes über das Leben der Prostituierten, über Frauenhäuser und Frauenwirte in der damaligen Reichsstadt, die keineswegs so prüde war, wie man es vielleicht vermuten mag.

Frankfurter Spezialitäten: Fränkische Grabbeigaben udn Frankfurter Kranz? Staufenmauer und Ebbelwoi? Begeben Sie sich mit uns auf eine historische und kulinarische Zeitreise zu den früh- und hochmittelalterlichen Anfängen der Stadt Frankfurt zwischen Domhügel und Römerberg. Erfahren Sie mehr über die Geschichte gastronomischer Spezialitäten, für die Frankfurt bis heute auch überregional bekannt ist.

Mord im Kaiserdom: Wer hat die junge Anna Althausen im Frankfurter Dom ermordet? Folgen Sie dem Wundarzt Bertholt Lange auf seiner Suche nach dem Mörder der schönen Patriziartochter durch das mittelalterliche Frankfurt und erfahren Sie dabei mehr über giftige Kräuter, beliebte Schönheitsmittel und Heilpflanzen, die den damaligen Menschen zur Verfügung standen.

Im Schatten der Bankentürme - mittelalterliche Händler in Frankfurt: Die internationale Finanzmetropole Frankfurt - das Ergebnis einer neuzeitlichen Entwicklung? Keineswegs, denn die am Knotenpunkt wichtiger Handelswege gelegene Stadt am Main gehörte bereits im Mittelalter zu den bedeutendsten Handszentren Europas. Folgen Sie den Spuren des Nürnberger Tuchhändlers Cuncz Dorenberger, der Ende des 15. Jahrhunderts die Frankfurter Herbstmesse besuchte, und tauchen Sie mit ihm in die Welt der Messen und Maße, der Waren und Währungen ein.



Ausstellungsprojekt

Ausstellung in der Kunstbibliothek zu den Lehrmaterialien der Kunstgeschichte: Von Sammeln und Wegwerfen. Auf der Spurensuche nach Lehrmitteln in der Kunstgeschichte, zusammen mit Doris Reichert und Paula Günther, Mitte/ Ende Juni 2020

Die medienübergreifende Ausstellung will die Geschichte der Lehrmaterialien in der kunstgeschichtlichen Lehre in ihrer Bandbreite zeigen. Zu den ausgewählten Exponaten gehören Glas- und Kleinbilddias, Mikrofiches, Lehrbücher und Mappenwerke sowie Gipsabgüsse von Kunstwerken. Anhand der ausgestellten Objekte werden Antworten auf die Fragen gesucht: In welcher Weise wurde/wird kunstgeschicht­liches Wissen vermittelt? Welche Materialien wurden/werden dafür in der Lehre eingesetzt? Die Ausstellung richtet sich an Lehrende und Studierende des Faches Kunst­geschichte, darüber hinaus aber auch an eine breitere Öffentlichkeit, die sich für die Veränderungen in der Lehre und den Wan­del des Mediums Bild durch technischen Fortschritt, innovative Vermittlungsstrategien und viel­fältige Lehrmethoden interessiert.

Die Präsentation ist in drei Kategorien unterteilt, die sich jeweils einer spezifischen Form von Lehrmitteln widmet: dreidimensionale Medien, Buchmedien und Bildmedien. Es gibt interaktive Stationen, an denen Besucherinnen sich mit vergangenen und aktuellen Vermittlungsstrategien von kunst­geschichtlichem Wissen praktisch auseinandersetzen können, z.B. durch einen Postkartentest, der histo­risches Bildwissen fordert und fördert. Glasdias werden durch Lichtboxen reinszeniert, Mikrofiches in ihrer ursprünglichen Bedeutung erklärt und die hauseigene Bilddatenbank ConedaKOR vorgestellt. Die Anfänge der kunstgeschichtlichen Lehre im Frankfurter Institut werden anhand von historischen Dokumenten, Fotogra­fien und Objekten in Vitrinen präsentiert und der Umgang mit dem Medium Bild in Buchpublikationen durch ausgewählte Werke veranschaulicht.

Das Ausstellungsvorhaben gründet dabei auf dem Interesse Materialien, die mittlerweile als out­dated bezeichnet werden können, erneute Beachtung zu schenken und ihre einstige Bedeutung nach­zuzeichnen. Einzelne Exponate sollen nicht mit ihrer jeweils individuellen Geschichte dargestellt, sondern als Teil einer Geschichte des Bildes und der kunstgeschichtlichen Lehre begriffen werden. Dabei wird auch die Frage nach dem komplexen Dialog zwischen Original und Kopie berücksichtigt.  Ergänzend zeigen wir in Kooperation mit dem Institut der Kunstpädagogen künstlerische Arbeiten, die sich diesem Thema anhand von Materialität oder Historizität annehmen.

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