Dr. des. Joanna Olchawa

Projekte

Habilitationsprojekt: "Audiovisualität um 1500. Prachtkanzeln in Europa"

In der als „Vorabend der Reformation“ beschriebenen Zeit entsteht überall in Europa eine neue Art von Kanzeln. Sie zeichnen sich gegenüber ihren Vorgängern und verwandten Typen wie Ambonen durch monumentalere Ausmaße und komplexere Bildprogramme, eine andere, in die Mitte der Kirche verschobene Disposition und dementsprechend eine verstärkte räumliche wie auch visuelle Wirkung aus. Neu sind zudem die Hinzufügung von Schalldeckeln, die detailreiche Ausschmückung der Kanzelfüße sowie die ausladenden, freistehenden Treppen und Treppengeländer, die seit dem späten 15. Jahrhundert zu essentiellen, fast obligatorischen Bestandteilen der Werke werden. Die Veränderungen stehen teilweise mit theologischen und kirchengeschichtlichen Änderungen im Zusammenhang: Die Predigt gewinnt an Bedeutung und die Prädikatur, das von Laien gestiftete Amt der Prediger, erreicht ihren Höhepunkt an Verbreitung. Vor allem aber gehen die Veränderungen mit der bewusst eingesetzten Stärkung und Inszenierung des auditiven und visuellen Erlebnisses einher. Der radikale Umbruch in der Predigtpraxis und -vermittlung findet somit nicht während der Reformation, sondern schon vorher statt.

Innerhalb des Katalogs mit 250 Kanzeln aus dem gesamteuropäischen Raum stechen insbesondere sieben Ensembles aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Polen, Portugal, Spanien und Tschechien heraus: An all diesen Werken kann trotz ihrer Differenzen ein bemerkenswerter Zusammenhang zwischen Bildwerk und Predigtpraxis konstatiert werden. Da letztere als ein performatives, „fluides Genre“ zwischen Schriftlichkeit, Mündlichkeit und Bildlichkeit beschrieben werden kann und sich der bildlichen Sprache oder nonverbalen Zeichen bedient, wird das Zusammenspiel der Predigten auf Kanzeln aus der Perspektive der Audiovisualität und der Sound History in den Blick genommen. Darüber hinaus erweist sich die Anwendung digitaler Werkzeuge als vielversprechend. So sollen die oratorischen und auditiven Räume, also das historische Redegeschehen und die Klanglandschaft auf einer der Kanzeln digital rekonstruiert werden. 
 

Weitere Informationen folgen. 

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Projekt (Tagung): "Die Inszenierung von Objekten auf der 'Bühne der Kunst'" 
(gemeinsam mit Julia Saviello, 9./10. Oktober 2020, Kunstgeschichtliches Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main)
 

Die Tagung widmet sich den Requisiten, die auf den vielfältigen ‚Bühnen‘ der bildenden Kunst vom Mittelalter bis in die Gegenwart verwendet wurden. Nicht erst im Theater, sondern bereits in der christlichen Liturgie, bei militärischen Triumphzügen und im höfischen Zeremoniell, um nur einige Beispiele zu nennen, wurden Objekte auf unterschiedlichste Weise in Szene gesetzt und semantisch aufgeladen. Spätestens seit Leon Battista Albertis Umschreibung des Bildes als Fenster oder Ausblick auf eine ‚historia‘, d. h. auf eine Handlung mit mehreren Figuren in unterschiedlichen Haltungen und Bewegungen, durch die der Bildraum einer Bühne anglichen wird, zeigt sich aber auch eine Parallelität zwischen bildlichen Darstellungen und Abläufen im Theater. Daher scheint eine Weitung des Blicks vom realen zum fiktiven Raum angebracht, in dem signifikante Objekte ebenfalls zu herausgehobenen Requisiten werden können. 
 
Im Fokus theaterwissenschaftlicher Studien standen bisher vorgefundene Objekte wie Ringe, Totenschädel und Fächer oder eigens für eine Theaterinszenierung angefertigte Artefakte wie Masken, Gläser aus Zucker oder Messer mit versenkbaren Klingen. Neben solchen Objekten, die teils bereits Gegenstand kunsthistorischer Studien sind, können während der Tagung auch ‚Requisiten‘ aus den genannten Kontexten, aus privaten Sammlungen oder Künstlerateliers sowie aus vergleichbaren Zusammenhängen diskutiert werden. Über die Inszenierung solcher Objekte im realen wie im fiktiven Raum hinaus sollen auch die Orte ihrer Aufbewahrung und Präsentation Berücksichtigung finden (Rüst-, Wunder- und Requisitenkammern). Ebenfalls thematisiert werden können die methodischen Zugänge zur Erforschung von Requisiten in ihrer Relevanz für die Kunstgeschichte bzw. eine kunsthistorische Objektwissenschaft, etwa die Affordanztheorie und die Akteur-Netzwerk-Theorie, die beide von der spezifischen Beschaffenheit der Objekte ausgehen, oder auch gendertheoretische und transkulturelle Ansätze, aus denen neue Impulse für die Erforschung der vielschichtigen Interaktion von Mensch und Objekt hervorgegangen sind.


Weitere Informationen und das Tagungsprogramm: http://staging-objects.com

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Projekt: "Baumsaft, Edelstein, Electrum? Bernstein vor 1300" im Rahmen des DFG-Netzwerkes "Zwischen Präsenz und Evokation. Fingierte Materialien und Techniken im frühen und hohen Mittelalter"
 

Heute metaphorisch als „Gold der Ostsee“, „Perle des Nordens“ oder gar „Stein der Sonne“ bezeichnet, galt Bernstein nicht nur in der Vorgeschichte und Antike, sondern auch im Früh- und Hochmittelalter als ein besonderes Material. Geschätzt wurde es aufgrund seiner variierenden Farbigkeit und Transparenz, des besonderen Geruchs beim Verbrennen und seiner heute als elektrostatisch verstandenen Wirkung, der eine heilsame und apotropäische Kraft zugesprochen wurde. Die Bekanntheit dieser physikalischen, chemischen und medizinischen Eigenschaften führte bereits im zweiten Jahrtausend vor Christus und dann immer wieder zu einem weitreichenden Handel von den Küsten der Ostsee bis nach Mesopotamien, Ägypten und der Mittelmeerregion. Doch gerade in Zeiten politischer Kontrollierung der Zugänge und einer Einschränkung des Handels im Mittelalter erhielten noch zwei weitere Eigenschaften des Bernsteins eine verstärkte Bedeutung: seine leichte Kopierbarkeit und die Ungenauigkeit seiner Definition in den Schriftquellen als „Baumsaft“, Edelstein oder Metall. Diesem veränderten Umgang – insbesondere der Nachahmung durch andere Materialien wie Glas oder Techniken wie Email (das wie Bernstein als electrum beschrieben wurde) – und der Analyse der unterschiedlichen Charakterisierung des Werkstoffes widmet sich dieses Projekt. Es soll verdeutlichen, dass bereits vor dem ältesten schriftlich überlieferten Rezept zur Imitation bzw. Fälschung des Bernsteins, das zwischen 1424 und 1456 datiert wird, ähnliche Bemühungen bereits reflektiert und praktiziert wurden.

Weitere Informationen: https://www.geschkult.fu-berlin.de/e/praesenz-und-evokation/projekte/Olchawa_Bernstein/index.html

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Projekt: "Die Hildesheimer Bronzewerke" im Rahmen des BMBF-Projektes "Innovation und Tradition. Objekte und Eliten in Hildesheim, 1130-1250"
 

Das gegen 1225 entstandene Taufbecken des Hildesheimer Doms und die aus der gleichen Werkstatt oder aus benachbarten Ateliers stammenden Bronzegeräte sind nicht nur Arbeiten höchster handwerklicher Qualität, sondern auch Schlüsselwerke für die Kunstgeschichte der Stadt im 13. Jahrhundert. Basierend auf neuen, nach den Kanonisierungen Godehards und Bernwards in Kirche und Gesellschaft Kontur gewinnenden künstlerischen und ästhetischen Entwicklungen, tragen die Bronzen wichtige Eigenschaften, die als Ausgangspunkt für die Erforschung zentraler Fragen zur Kunst und Kultur des hohen Mittelalters dienen können. Vier Punkte umreißen historische, kunsthistorische, theologische und technikgeschichtliche Aspekte der Werke und lassen die Zentrumsfunktion wie die Innovationskraft Hildesheims heraustreten.

Weitere Informationen: http://objekte-und-eliten.de

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