Prof. Dr. Carsten Ruhl

Alexander Brockhoff

Projektbeschreibung

Walter Körte (1893–1972) Architekt und Lehrer zwischen Tradition und Moderne (als Arbeitstitel; vollständiger Titel steht noch nicht fest)
gefördert durch die Ernst Max von Grunelius-Stiftung

In den 1920er und 30er Jahren war der deutsche Architekt und kurzzeitige Hochschullehrer Walter Körte (1893–1972) eine Schlüsselfigur in den Auseinandersetzungen zwischen Tradition und Moderne in der Architektur in Deutschland. Als Student an der TH Stuttgart, die eine Hochburg der ,Neuen Tradition‘ darstellte, wurde er zunächst Schüler und anschließend Mitarbeiter von Paul Bonatz (1877–1956), der zusammen mit Paul Schmitthenner (1884–1972) den Kurs dieser ,Stuttgarter Schule‘ bestimmte. Von 1925 bis 1930 war Körte dann Architekt im Hochbauamt des ,Neuen Frankfurt‘, das unter der Leitung von Ernst May (1886–1970) stand und eine Moderne im Sinne der Avantgarde des Neuen Bauens praktizierte. Dort wandte sich Körte ausschließlich öffentlichen Bauten,  insbesondere dem Krankenhausbau, zu. Als auch in Stuttgart Studierende eine Lehre im Sinne der Moderne forderten, sorgte Bonatz 1930 für die Berufung Walter Körtes als Entwurfslehrer an die ansonsten konservative TH Stuttgart, die jedoch wenige Jahre später ihre nationalsozialistische Gleichschaltung erlebte, was dazu führte, dass Körte im Lehrkörper isoliert war und 1934 seine Stellung von selbst aufgab. Von 1936 bis 1944 arbeitete er als Referent für den Lazarettbau im Reichsluftfahrtministerium in Berlin. Dort konnte er seine bereits in Frankfurt erworbenen Erfahrungen im Krankenhausbau nutzen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging Körte aus persönlichen Gründen nach Freiburg im Breisgau, wo die Fronten von Traditionalisten und Modernisten im Streit um die Ausrichtung des Wiederaufbaus aufeinanderprallten.
Es gilt, zu klären, welche Position Körte in all diesen Auseinandersetzungen eingenommen hat und in welche Bauprojekte er involviert war, da sowohl die Abfolge seiner Arbeitsfelder als auch Körtes Tätigkeiten selbst weder einem Architekten der Moderne, noch einem Architekten der Tradition vollkommen zuzuordnen sind. Bei  den Untersuchungen zur Bedeutung und Einordnung Walter Körtes in die deutsche Architekturgeschichte sind zum einen die Einflüsse anderer Architekten, die ihn in seiner Arbeit nachhaltig geprägt haben, zum anderen aber auch die eigene Lehre und wie er wiederum seine Schüler an der TH Stuttgart sowie andere Architekten beeinflusst hat besonders wichtig.     

Kurzvita:

Alexander Brockhoff studierte von 2011 bis 2016 Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Geschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Während seines Studiums war er in mehreren Werkverträgen am Deutschen Architekturmuseum (DAM) tätig, wo er diverse Nachlässe verschiedener Architekten inventarisierte und archivierte. Darunter auch den Nachlass Walter Körtes, der 2013 als Schenkung an das Museum gelangte. Die Auseinandersetzung mit dem Bestand motivierte Alexander Brockhoff dazu, die vielseitigen Tätigkeiten dieses Architekten im Rahmen einer Promotion detailliert zu untersuchen. Das Vorhaben wird von der Ernst Max von Grunelius Stiftung finanziell unterstützt. Seit 2018 ist Alexander Brockhoff Mitglied der ernst-may-gesellschaft e. V. und bietet regelmäßig Führungen u. a. durch das may-Musterhaus und die Siedlung Römerstadt an. Auf den Spuren Walter Körtes absolviert er derzeit ein Internship am Amerikanischen Generalkonsulat in Frankfurt am Main. Das Gebäude wurde während des Zweiten Weltkrieges als Lazarett für die deutsche Luftwaffe von Körte geplant und wird seit 1945 von den Amerikanern genutzt.    

Kontakt: alex.brockhoff@t-online.de


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