Prof. Dr. Jochen Sander

E-Mail Sander@kunst.uni-frankfurt.de

Raum 302
Telefon 069 / 798 - 28426


Das Forschungs- und Ausstellungsprojekt zur Porträtsammlung der Frankfurter Patrizierfamilie Holzhausen geht in die nächste Runde – insgesamt 1200 Porträtdruckgrafiken des 16. bis 18. Jahrhunderts sind in drei aufeinanderfolgenden Semestern zu erforschen und in einer Bilddatenbank zu dokumentieren, Ideen zu Ausstellungssektionen sind zu entwickeln und Katalogbeiträge und -Einträge sind zu schreiben.

Werden Sie Teil des Teams, das die Ausstellung „Du sollst Dir ein Bild(nis) machen. Die Porträtsammlung der Frankfurter Patrizierfamilie Holzhausen aus kunst- und kulturhistorischer Sicht“ vorbereitet, die im Frühjahr 2020 im Museum Giersch der Goethe-Universität gezeigt werden soll.

Jochen Sander, Corinna Gannon und die TeilnehmerInnen des vorausgegangenen Hauptseminars im SoSe 2018





Prof. Dr. Jochen Sander

Hauptseminar: Die Frankfurter Patrizierfamilie Holzhausen und ihre Kunst-sammlung, Teil II (Vorbereitung einer mit den SeminarteilnehmerInnen er-arbeiteten Sonderausstellung im Museum Giersch der Goethe Universität Frankfurt im Frühjahr 2020)

WS 2018/19



Ziel des Hauptseminars für TeilnehmerInnen der MA-Studiengänge Kunstgeschichte und Curatorial Studies ist die Fortsetzung der wissenschaftlichen Bearbeitung von etwa 1200 Porträtdruckgrafiken und 70 Porträtgemälden der Frankfurter Patrizierfamilie Holzhausen im Rahmen von drei aufeinanderfolgenden Hauptseminaren. Aktuell gefördert durch den „Förderfonds Lehre“ der Goethe-Universität, steht bei diesem Seminar in besonderem Maße die studierendenzentrierte und kompetenzorientierten Lehre im Mittelpunkt (https://www.kunst.uni-frankfurt.de/de/mitarbeiter/seiten/prof-dr-jochen-sander/aktuelle-projekte/).

Auch Neueinsteiger sind willkommen – die Teilnahme am vorherigen Hauptseminar im SoSe 2018 ist keine Voraussetzung für die Seminarteilnahme jetzt, auch wenn eine längerfristige Mitarbeit im Team sehr willkommen ist!

Für die dauerhafte Erschließung der Forschungsergebnisse steht das am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe Universität entwickelte Bilddatenbanksystem ConedaKOR zur Verfügung. Die Bilddaten-bank soll zum Abschluss des Projekts zeitgleich über die Homepages aller beteiligten Institutionen (u. a. Kunstgeschichtliches Institut, Universitätsbibliothek, Städel Museum, Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen) für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Den Abschluss des Projekts wird eine Sonderausstellung im Museum Giersch der Goethe Universität markieren, in der eine Auswahl von etwa 100 Hauptwerken (Gemälde und Druckgrafiken) präsen-tiert werden soll. Der begleitende Katalog wird nicht nur die ausgestellten Werke kommentieren, sondern auch Essays zu übergeordneten Fragestellungen des Forschungsprojekts enthalten. Auch diese Ausstellung und der Katalog soll von den Studierenden der Master-Studiengänge Kunstgeschichte und Curatorial Studies erarbeitet werden. Das Projekt wird auf diese Weise den teilnehmenden Studierenden nicht nur selbständige Forschung (mit der Perspektive auf Master-Abschlussarbeiten) ermöglichen, sondern auch konkrete Erfahrungen bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in eine Ausstellung vermitteln.          

Als Adolf Freiherr von Holzhausen 1923 als letzter männlicher Vertreter der älteren Linie seiner Familie starb, endete die Geschichte eines der ältesten und erfolgreichsten Patriziergeschlechter Frankfurts. Im Jahre 1245 erstmals in Frankfurt nachgewiesen, stellten die Holzhausen im Laufe der Geschichte der Freien Reichsstadt über 70 Mal den Bürgermeister und zahlreiche führende Magistratsmitglieder. Selbst beim Tod des letzten Vertreters der Sippe war das Vermögen noch gewaltig: Auf dem von Adolf von Holzhausen kurz vor seinem Tod verkauften Grundbesitz entstand mit dem Holzhausen-Viertel ein ganzer Stadtteil; der Verkaufserlös war eigentlich für den Bau der Frankfurter Universitätsbibliothek bestimmt gewesen, fiel aber in den letzten Lebensmonaten des Stifters der Inflation zum Opfer.

Sein damals noch vor den Toren der Stadt gelegenen Wohnsitz, das Holzhausen-Schlösschen, vermachte von Holzhausen der Stadt Frankfurt, heute Sitz der Frankfurter Bürgerstiftung. Auch die von seiner Familie über Jahrhunderte zusammengetragene Kunstsammlung und die Bibliothek gingen an die Stadt, die die Bestände, den musealen Gepflogenheiten der Zeit entsprechend, auf die unterschiedlichen Frankfurter Museen und Bibliotheken aufteilte. So kam der kunsthistorisch bedeutendste Teil, die etwa 70 Gemälde umfassende Sammlung vor allem von Familienbildnissen mit Spitzenwerken von Faber von Kreuznach, Cranach d. Ä., verschiedenen Mitgliedern der Tischbein-Familie, Urlaub und Ziesenis ins Städel Museum. Stadtgeschichtlich wichtige Werke kamen ins Historische Museum Frankfurt, das Familienarchiv ins Institut für Stadtgeschichte, der übrige Kunstbesitz ins Museum für Angewandte Kunst.

Die Bücher und Druckgrafiken gingen geschlossen an die Frankfurter Universitätsbibliothek, darunter die etwa 1200 Drucke umfassende, bedeutende Sammlung von Porträtgrafiken des 16. bis 18. Jahrhunderts (http://www.ub.uni-frankfurt.de/wertvoll/holzhausen_portraet.html; hier auch Digitalisate aller Porträtgrafiken). Diese zeigen zum einen Frankfurter Persönlichkeiten oder Personen, die zur Entstehungszeit der Werke in enger Beziehung zu Frankfurt gestanden haben. Zum anderen dokumentieren sie das weitgespannte, Generationen übergreifende Interesse der Holz-hausen als Vertreter der patrizischen Elite Frankfurts an den politischen, historischen, natur-wissenschaftlichen und künstlerischen Diskursen ihrer jeweiligen Zeit.

Dieses bislang kaum beachtete Konvolut von Porträtdruckgrafiken wird im Laufe von drei Semestern von den Seminarteilnehmern für die Datenbank erschlossen und bearbeitet; auf diese Weise werden die Digitalisate der Porträtdrucke mit den Metadaten zu den beteiligten Künstlern (Maler, Entwerfer, Stecher, Drucker), zum Dargestellten (und seinen Bezügen zu den Holzhausen), zur Darstellung (Bildträger, Maße und Technik, aber auch Inschriften und Ikonografie), zum Funktions-, Präsentations- und Repräsentationskontext der Sammlung usf. zusammengeführt. Modell für die – leicht modifizierte – Erfassung der einzelnen druckgrafischen Porträts ist die Online-Präsentation der Porträtsammlung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel (http://portraits.hab.de/). Die abschließenden Seminararbeiten sind thematisch so angelegt, dass sie als Grundlage für die von der/dem jeweiligen VerfasserIn namentlich verantworteten Essays und Einzeleinträge des Ausstellungskatalogs im Museum Giersch der Goethe-Universität dienen können.   

Zu einer ersten Orientierung über die Patrizierfamilie Holzhausen und ihre Kunstsammlung sei verwiesen auf den Ausstellungskatalog „Die Holzhausen. Frankfurt älteste Familie“, bearbeitet von Andreas Hansert, Frankfurt, Historisches Museum Frankfurt, 10.04.-27.07.2014, Frankfurt 2014. Für die bedeutenden Renaissance-Porträts von Mitgliedern der Holzhausen-Familie von Johann Faber von Kreuznach und seiner Werkstatt vgl. Bodo Brinkmann, Stephan Kemperdick, Deutsche Gemälde im Städel 1500-1550 (Kataloge der Gemälde im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt am Main, 5), Mainz 2005, S. 294-341 (http://zeitreise.staedelmuseum.de/wp-content/uploads/BK_Staedel_Museum_2005_Brinkmann-Kemperdick_Deutsche_Gemaelde_1500-1550.pdf).  


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