Durchgang.

(Kopf-) Bahnhof

Der Bautypus Bahnhof fungiert nicht nur als Tor zur Welt, sondern auch als Eintritt zum Terrain Transitorik. Die kulturelle Innovation der Eisenbahnfahrt trägt zu Beginn des industriellen 19. Jahrhunderts ruckartig Bewegung in den Raum ein und temporalisiert diesen in bisher ungekannter Weise. Zugleich entwirft sie ihn als Matrix vernetzter Territorien. Die ferroviäre Dynamik war für deren systematische Durchdringung mit Macht wie Öffnung für ökonomische Zirkulationsprozesse zentral. Infrastrukturell verknüpfte Landschaftsräume und auch Teile des Stadtraumes wurden nun buchstäblich im Durchgang erfahren.

Als Angelpunkte dieser Linien wie als Scharniere zur Stadt waren die Bahnhöfe selbst davon berührt. Offene Raumformen, innovative, leichte Konstruktionsweisen und auf optimale Zirkulation hin berechnete Pläne reflektieren das. Auf einen immer schneller durchmessenen Transitraum geöffnet, werden die Stationen zugleich zu infrastrukturellen Schlüsselmonumenten der sich modernisierenden Großstädte. Dabei macht die zeitgenössische Wahrnehmung an ihnen vor allem antimonumentale Züge aus. Wie diese Spannung in Großbahnhöfen der westlichen Welt vermittelt wurde, ist vergleichend zu untersuchen.

Zu eruieren ist auch die Ambivalenz der Profanität von Räumen, die von hastigen Pendlern in ihren ‚grauen‘ Alltagstrancen bevölkert werden, und der in ihnen durch Typen- oder Stilzitate aufgerufenen Sakralität (‚Kathedralen der Flüchtigkeit‘ oder ‚Basiliken der Mobilität‘). Welche Vorbilder und Anleihen vergegenwärtigen hier welche symbolische Aspekte aus dem Set ‚heiliger Räume‘? Welche Schwellenrituale und Transitionsriten wurden hier ‚zelebriert‘ oder vielleicht auch verdeckt? Wie haben sich die zumeist starken baulich-strukturellen Veränderungen durch die Zeiten darauf ausgewirkt? Dies soll an zentralen Knotenpunkt der sich ab dem 19. Jahrhundert globalisierenden Welt mustergültig aufgezeigt werden. Gerade auch deren selten systematisch dokumentierte spätere Transformationen sollen dabei ausgewertet werden.

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Sehr aufschlussreich sind bei der genaueren Betrachtung von Bahnhöfen auch die sie reflektierenden Bildkünste. Denn in der Darstellungsweise sind in ihnen durchaus breitere zeitgenössische Wahrnehmungsmuster in hellsichtiger Weise dokumentiert. Medium dafür ist gerade nicht nur die Hochkunst, sondern auch die populäre graphische Illustration. Dort wird etwa die Verzahnung der Bahnhöfe mit dem urbanen Raum besonders gut sichtbar. Ähnliches, ebenfalls noch nicht ausgereiztes Potenzial bietet aber auch die bisher nur summarisch vorgestellte Eisenbahnliteratur. Systematisch zu erfassen ist an ihr, welche Metaphernkategorien (räumlich – performativ – bildlich – medial) für die beschleunigte Fahrt bevorzugt eingesetzt werden.


Fünf Stationen der Forschung

(Kopf-)Bahnhof
Passage / Mall
Commercial Strip / Entertainment zones
Immigration Station / Räume für Geflüchtete
Flughafen