Durchgang.

Stand der Forschung

Die Geschichte und Theorie transitorischer Räume hat bisher keine konsistente Darstellung gefunden. Zwar liegen Ansätze einer kritischen Kulturphilosophie vor, die versuchen, das (Un-)Wesen der Moderne durch eine Analyse paradigmatischer räumlicher Transitzonen aufzuschlüsseln; sie sind bestrebt, aus ihnen gleichsam physiognomisch die Raum- und Zeitkonzepte sowie die Zeichen- und Bilderregimes der Moderne herauszulesen. Doch gehen diese Entwürfe nur begrifflich, nicht gegenständlich aufs Ganze. Materialorientierte Einzelstudien erfassen wiederum jeweils nur Teilgebiete des Transitorischen und binden ihre Ergebnisse häufig nicht ausreichend an eine konzeptuelle Ebene zurück. Das Fehlen einer beide Ebenen integrierenden Masterstudie ist sicherlich in der nachwirkenden Herausforderung begründet, die das Transitorische für klassische, an Statis orientierte Raum- und Architekturkonzepte bedeutet.
Hinzu tritt noch ein hartnäckiges Prestigegefälle: Gerade die Architekturhistorie war und ist, noch stärker als die allgemeine Kunstgeschichte, primär hochkünstlerisch ausgericht et und an ‚Monumenten‘ orientiert. Aus dem Prestigedefizit gehen spezifische perspektivische Probleme der Literatur hervor. Dazu zählt vor allem eine narrative Teleologie, die Auseinandersetzungen mit transitorischen Räumen häufig eingeschrieben ist. Ihr Drive kann eine kompensatorische Funktion erfüllen, aber auch in eine pessimistische, ja katastrophische Vision übergehen. In relativer methodischer Distanz zu diesen pauschalen Analysen will das Projekt einen differenzierteren Blick auf die transitorischen Räume der Gegenwart und ihre Vorläufer wagen.