Durchgang.

Passage / Mall

Passagen und ihre global auf den Plan tretende Nachfolger, shopping malls, müssen essentieller Bestandteil der Studie sein. Das ist in ihrer zweifach transformativen Funktion begründet: Erstens wird hier transitorischer Außenraum in Innenraum konvertiert. Zweitens wurde in Passagen unscheinbarer urbaner Zwischenraum in markanten transitorischen Raum verwandelt. Das ist nicht nur kulturhistorisch bzw. soziologisch, sondern auch metapherngeschichtlich relevant, findet hier doch eine Aufwertung des Dazwischen statt. Gerade deshalb war Walter Benjamin durch Passagen als epistemologisches Denkbild fasziniert. Im Projekt ist eine summarische Rekonstruktion von Grundzügen seiner Lektüre dieser Räume und ihrer Aneignungsweisen (Flânerie) zu leisten. Von hier aus soll auch die oben skizzierte Fortschreibung und Modifikation von streunenden oder schweifenden Bewegungen im kommerziellen/urbanen Raum mitsamt ihrer kritischen Wendung (dérive etc.) erschlossen werden.

Vor allem aber ist eine Art ‚Metaphern-Update‘ zu leisten: Der Blick auf paradigmatische Bauten der soziökonomischen Moderne ist auf shopping malls bzw. center als ebenfalls doppelt konnotierte Zentralräume eines ‚Weltinnenraums‘ auszuweiten. Sie nahmen erstmals in dem von Victor Gruen erdachten, 1954 eröffnetem Southdale Center (Minn.) Gestalt an. Seitdem sind sie als regelrechte indoor-Modellstädten aus der Typologie des Transitorischen nicht mehr wegzudenken. Ein transhistorischer Vergleich soll die Frage nach dem Wandel von Konsumräumen stellen: Passagen des 19. Jahrhunderts bespielen urbane Zwischenräume oder stiften selbst Verbindungen zwischen meist belebten Plätzen; malls hingegen sind auffallend häufig Solitäre, da sie ja ursprünglich aus dem suburbanen Raum stammen. Seit den 1970er Jahren kolonisieren aber immer mehr auch Stadtzentren. Dominieren in malls, entsprechend der systemischen Schließung der globalen Konsumwelt, daher auch eher räumliche Endlosschleifen als Kontextanknüpfungen? Wie verhält es sich dazu, dass Studien aus der Stadtsoziologie dennoch ganz unterschiedliche Umgebungsbezüge von malls zu benennen vermögen?

Mehr...

Herauszuarbeiten ist parallel konsequent, mit welchen Strategien dabei eine aussagekräftige Grundparadoxie generiert wird: Derartige Ensembles bezeichnen sich, in expansiver Hybris, als ‚cities‘ oder ‚villages‘. Sie siedeln aber traditionell im suburbanen Niemandsland oder auf urbanen Brachen. Bei Zentrumslage drohen zudem sie schließlich ihr urbanes Umfeld abzuwerten. Mit Blick auf suggerierte ‚urbane‘ Qualitäten wäre auch zu eruieren, welche ‚Stile‘ und Atmosphären dazu strategisch eingesetzt werden: Welche Images, gerade auch von Stadt, werden dabei in Zirkulation gebracht? Hier wäre angesichts des pseudo-öffentlichen Charakters von malls nach der Spannung von exklusiver Aura und faktischer Exklusion zu fragen. Kann man diese als Verschärfung der an Schwellensituationen häufig zu beobachtenden Trennungsrituale begreifen? Oder muss man eher vom bewussten Unterdrücken entsprechender Zäsuren ausgehen, weil nur so ein kontinuierlicher flow in diesen transitorischen Räumen der Gegenwart generiert werden kann?


Fünf Stationen der Forschung

(Kopf-)Bahnhof
Passage / Mall
Commercial Strip / Entertainment zones
Immigration Station / Räume für Geflüchtete
Flughafen