Aktuelles

Informationen zu den Lehrveranstaltungen am Kunstgeschichtlichen Institut im Wintersemester 2021/22


Stand: 22.Oktober 2021

Für das Wintersemester 2021/22 plant die Goethe-Universität eine weitgehende Rückkehr zur Präsenzlehre. An der Goethe-Universität gelten dabei universitätsweit die 3G-Regeln. Das bedeutet, Studierende müssen, um Zugang zu Lehrveranstaltungen in Präsenz zu erhalten, entweder mit einem in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoff (https://tinyurl.com/cn565rn6) gegen Covid-19 geimpft sein, von einer Covid-19-Erkrankung genesen sein oder einen tagesaktuellen negativen Antigentest vorweisen können. Selbsttests sind als Negativnachweis nicht zulässig. Gemäß aktueller Corona-Schutzverordnung wird es keine Kontaktnachverfolgung mehr geben.  In der Zeit Mo-Fr von 8 bis 20 Uhr werden die Zugangskontrolle und die stichprobenartige Überprüfung der 3G-Regel an den Eingängen zu den zentralen Lehrgebäuden vom externen Sicherheitsdienst VSD durchgeführt.  

Es besteht eine generelle Pflicht zum Tragen von medizinischen Masken (OP-Masken oder Schutzmasken der Standards FFP2, KN95, N95 oder vergleichbar ohne Ausatemventil) in den Gebäuden der Goethe-Universität sowie bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen.

Genauere und tagesaktuelle Informationen finden Sie auf www.uni-frankfurt.de/corona

Für die Lehrveranstaltungen am Kunstgeschichtlichen Institut bedeutet dies folgendes:

Lehrveranstaltungen können in Präsenz durchgeführt werden. Einige Lehrveranstaltungen werden in einer Kombination aus Präsenzlehre und digitalen Formaten stattfinden. Größere Lehrveranstaltungen, z.B. die Propädeutika und die Vorlesungen, finden im Wintersemester voraussichtlich weiterhin online statt. Bitte informieren Sie sich im Vorlesungsverzeichnis und in den entsprechenden OLAT-Kursen zu den Lehrveranstaltungen.

Für den leichteren Übergang von der Präsenzlehre zur digitalen Lehre stellt die Universität studentische Arbeitsplätze zur Verfügung. Eine Auswahl von Räumen auf dem Campus Bockenheim (CB) oder auch Campus Westend (CW) finden Sie im Vorlesungsverzeichnis LSF/Qis. Bitte unter „Veranstaltungen“ den Titel: „gebucht für studentische
Arbeitsplätze“ eingeben.

Wir bitten darüber hinaus alle Studierenden, die einer Risikogruppe angehören oder in einem Risikogruppenhaushalt leben und daher nicht an den Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, sich bei den Dozentinnen und Dozenten Ihrer ausgewählten Präsenzlehrveranstaltung zu melden, damit zeitnah alternative Lösungen gefunden werden können.

Alle Informationen werden beständig aktualisiert. Bitte informieren Sie sich eigenständig und rufen Sie regelmäßig die entsprechenden online-Adressen auf! Achten Sie bitte auch auf Nachrichten, die Sie über Ihren studentischen E-Mail-Account erhalten.

Grundsätzliche Regelungen zu den Abgabefristen von Hausarbeiten/Prüfungsleistungen in den Lehrveranstaltungen des Wintersemesters 2021/22:

Angaben zu den Prüfungsterminen finden Sie auf der Homepage des Kunstgeschichtlichen Instituts unter der Rubrik „Studium“, dann „Termine und Fristen“. Für Hausarbeiten und Abschlussarbeiten wurde die Abgabefrist uniweit um zwei Wochen verlängert.

Erreichbarkeit der Mitarbeiter:innen am Kunstgeschichtlichen Institut:

Persönliche Beratungen und Sprechstunden finden weiterhin telefonisch oder per Videokonferenz statt. Melden Sie sich bitte bei den einzelnen Personen per E-Mail.

Die Tätigkeit der Sekretariate ist weiterhin teilweise auf Homeoffice umgestellt. Auch hier bitten wir Sie, Ihre Anfragen per E-mail zu stellen.

Kunstbibliothek:

Ab dem 1.Oktober gilt auch für den Zugang der Kunstbibliothek die 3G-Regelung. In der Bibliothek gilt weiterhin Maskenpflicht; Sie dürfen aber die Maske ablegen, wenn Sie am Arbeitsplatz sitzen. Genauere Informationen zu den Zugangsregelungen, Öffnungszeiten und zum Buchungssystem finden Sie unter https://www.ub.uni-frankfurt.de/kunstbibliothek/

AO_Ringvorlesung

Gebaute Ordnung: Speicher des Wissens

Unser alltägliches Leben wird in nicht unerheblichem Maße von der architektonischen  Konfiguration des uns umgebenden Raums beeinflusst. Hierbei handelt es sich jedoch nur selten um das Produkt zufälliger und nicht intendierter Umstände. So müssen sich Architekt_innen, die sich mit der baulichen Gestaltung von Regierungs-  und Behördengebäuden, städtischen Räumen, Bibliotheken oder anderen Formen  des Gebauten auseinandersetzen, seit jeher nicht nur nach ästhetischen, sondern gleichermaßen nach funktionalen Anforderungen und Bedürfnissen richten, die an  die von ihnen entworfenen Bauten und Architekturen gestellt werden. Resultat sind sich architektonisch manifestierende Räume, die unter anderem politisch-soziale Ordnungen und Idealvorstellungen widerspiegeln und konstituieren sollen oder in Hinblick auf spezifische Formen der Machtausübung und Machtsicherung gestaltet werden.
Der LOEWE-Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens: Praktiken und Diskurse zwischen Entwerfen und Wissen“, ein Forschungsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt und Technischen Universität Darmstadt, mit dem Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie und dem Deutschen Architekturmuseum als außeruniversitären Partnern, hat sich im Rahmen des Jahresthemas 2021 „Gebaute Ordnung“ in der ersten Jahreshälfte mit verschiedenen Räumen der Macht auseinandergesetzt. In der zweiten Jahreshälfte stehen „Speicher des Wissens“ im Mittelpunkt.
Den Ausgangspunkt für die thematische Ausrichtung der Ringvorlesung „Gebaute Ordnung: Speicher des Wissens“ im Wintersemester 2021/22 bildet die Feststellung, dass Architektur Wissen räumlich konfiguriert und damit wesentlichen Anteil an der Modulierung, Durchsetzung, Kanonisierung und Institutionalisierung epistemischer Modelle hat. Archive, Bibliotheken, Museen und Universitäten können als materialisierte Wissensordnungen aufgefasst werden: Das gesammelte, ausgewählte, geordnete, erschlossene und vermittelte Wissen wird räumlich gefasst. Untersucht werden soll, inwiefern die konkrete architektonische Rahmung auf Organisations- oder Wissensstrukturen zurückwirkt.Im Rahmen von vier Abendvorträgen, die reale, theoretische und utopische Wissensordnungen und deren architektonische Konfiguration in den Blick nehmen, wird dem wechselseitigen Verhältnis von gebauten Räumen und Ordnungsvorstellungen nachgegangen.

DO 18.11.2021, 18:00 Uhr
WOUTER VAN ACKER
»Reformatting the Memory Palace: When Everything Exists to End in a Document«
https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJIkce2gqDwvEtHNceRuQ91ck9ntGUdvW4BN


MI 01.12.2021, 18.00 Uhr
PHILIPPE VIÉRIN
»Reading Place«
https://www.architektur.tu-darmstadt.de/portfolio/veranstaltungen_arch/vortraege/vortraege_mav/index.de.jsp

DO 13.01.2022, 18:00 Uhr
KIRSTEN WAGNER
»Gebaute Welt- und Wissensordnung. Architekturen der Weltausstellungen im 19. Jahrhundert«
https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJMtc-yqrzIoHtEQb3FWJgP2YYdc-zlZ3aBg


DO 27.01.2022, 18:00 Uhr
EVA DOLEZEL
»Objektarchitekturen, Wissenskonstellationen. Der museale Raum der Kunst- und Naturalienkammern in Theorie und Praxis«
https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJMlf-qqqD8jGtTEZofeOBn4Cg5mdBw8G07


Matthias Krüger, Léa Kuhn und Ulrich Pfisterer (Hg.)

Pro domo. Kunstgeschichte in eigener Sache

Wer PRO DOMO redet, spricht ›für das eigene Haus‹, das heißt in eigener Sache. Auf welche Weise Vertraute von Künstler:innen aktiv und nachhaltig Kunstgeschichte gestalten, untersucht dieser Band.
Aus dem direkten Umfeld von Künstler:innen versuchen sich immer wieder Personen an einer PRO DOMO-Kunstgeschichte: im Medium des Textes, der Fotoreportage, des Films oder des Digitalen. Solche Formen einer oft dezidiert parteiischen Kunstgeschichtsschreibung werden hier erstmals umfassend analysiert. Den Ausgangspunktbilden Schriften, die meist im unmittelbaren Umfeld von Künstler:innen – zuweilen auch in direkter Kooperation – entstanden sind und die somit gleichsam für diese das Wort ergreifen. Thematisch spannt das Buch einen Bogen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und fragt auch danach, was dieses PRO DOMO-Prinzip für die Kunstgeschichte insgesamt bedeutet und wie heute mit einer solchen Involvierung umzugehen ist.

Stefanie Heraeus (Hg.)

Wörter, Sprache, Gespräche ausstellen

Wie lassen sich Wörter, Sätze, Gespräche und andere sprachbasierte Kommunikationsformen ausstellen? Und wie verändern Gesprächsmodi - als Konzept, Performance, Sound oder Code, Notiz oder Aufzeichnung - das Format und den Raum der Ausstellung? Die Beiträge des Bandes widmen sich diesen Fragen und stellen dabei gegenwärtige künstlerische Positionen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen ins Zentrum. Ausgangspunkt der Diskussionen sind zwei kuratorische Projekte in Frankfurt am Main: Die Ausstellung 215 mit Leo Asemota und Nástio Mosquito im Portikus und Subject:Fwd:Unknown mit Michal Heiman, Nora Turato, Tim Etchells und Yutie Lee im Projektraum fffriedrich.

Mit Beiträgen u.a. von Fiona Geuß, Heike Gfrereis, Christina Lehnert, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Philippe Pirotte.

Vom Wort zur Kunst. Künstlerzeugnisse vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart


Hrsg. Helen Barr, Dirk Hildebrandt, Ulrike Kern und Rebecca Müller

Für die kunsthistorische Forschung liefern Textquellen wichtige Indizien zur Erschließung von Artefakten und ihren Entstehungskontexten. Aussagen der Künstler*innen gelten dabei traditionell als hochgradig authentisch: Wer sollte ihr Werk besser kennen und erklären können als sie selbst? Der Band stellt neue Forschungsansätze zum Sprechen und Schreiben von Künstlern vor und trägt damit zu der aktuellen Diskussion über Künstlerimages, Künstlerrollen und die Reflexion künstlerischer Produktion bei. Mit dem einleitenden Abriss über Textgattungen und Genres, in denen Künstler*innen seit dem Frühmittelalter gesprochen und geschrieben haben, liegt erstmalig ein chronologischer Überblick von Künstlerselbstaussagen vor.

Die Publikation ist aus der Ringvorlesung „Der Künstler spricht“ am Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt im Sommersemester 2017 hervorgegangen.

Mit Beiträgen von
Helen Barr, Johannes Endres, Johanna Függer-Vagts, Heidi C. Gearhart, Dirk Hildebrandt, Henry Keazor, Antje Krause-Wahl, Christine Ott, Bruno Reudenbach, Berit Wagner, Iris Wien und Andreas Zeising

332 S. m. 65 überw. farb. Abb.
ISBN 978-3-942819-52-4
EDITION IMORDE

Semesterschwerpunkt im Wintersemester 2021/2022

​‚Architektur, Archive und Aktivismus‘

In Architektur, Archive und Aktivismus werden Archive und Archivarbeit als potentielle Formen des Aktivismus im Bereich der Architekturproduktion und des Architekturdiskurses reflektiert. Aktivismus impliziert einen politischen Anspruch, wenn wir das Politische als einen kommunikativen und konfliktbehafteten Raum verstehen, in dem wir alle als Gesellschaft entscheiden, wie wir gemeinsam handeln. Archive sind weder neutrale noch stabile Institutionen. Sie sind selbst historische und politische Gebilde. Sie bewahren, legitimieren und prägen sowohl die Produktion als auch die Geschichte und Theorie der gebauten Umwelt.

Was ist ein Archiv oder was kann es sein? Wie können wir die Stadt als ein Archiv betrachten? In Anbetracht der Tatsache, dass jedes Archiv eine bestimmte und kuratierte Perspektive repräsentiert, beschäftigt sich das Seminar nicht nur mit der Frage, wie, warum und durch wen Archive konstruiert werden. Es möchte auch Wege erkunden, um bestehende Archive kritisch zu befragen und vielleicht sogar zu dekonstruieren. Können de-koloniale, feministische, soziale und anti-rassistische Ansätze in der Arbeit mit Archiven als Formen des Aktivismus betrachtet werden? Unser Bestreben ist es, von einer übersichtgebenden, historischen Perspektive auf die Architekturforschung abzuweichen und eine Plattform für den Austausch von situierten Positionen, Thesen und Erzählungen vorzuschlagen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des CCSA (criticalarchitecture.org)

Lehrveranstaltungen zum Semesterschwerpunkt:


- Ringvorlesung „Architecture, Archive, Activism“, organisiert von Carsten Ruhl, donnerstags 10-12 Uhr (online)
  • 04.11.2021: Rembert Hüser (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main), »Wasser im Archiv«
  • 18.11.2021: Samuel Burgum (Birmingham City University/Urban Institute, University of Sheffield) »This City is an Archive! Squatting History and Urban Authority«
  • 02.12.2021: Knut Ebeling (Kunsthochschule Berlin Weißensee) »Toute la mémoire du monde. Vom Archiv der Stadt zur Stadt des Archivs«
  • 16.12.2021, Hana Gründler (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Florenz »Action or Retraction? Prague as an Im/material Archive, 1950–1980«
  • 27.01.2022: Anne Hultzsch (ETH Zürich) »Writing Her Own Archive«
  • 10.02.2022: Samia Henni (Albert Hirschman Chair for Identity Passions between Europe and the Mediterranean at the Institute for Advanced Studies, University of Marseilles) »Illegal or Secret? On France’s Classification of Declassified Archives«
     Aufzeichnungen der Vorträge werden im Anschluss auf Youtube verfügbar sein: https://www.youtube.com/channel/UCsG4hO4yXt0NAwUzCMrugiw

- CCSA Seminar: „Linking Architecture, Archives and Activism”, organisiert von Sarah Borree (LOEWE/CCSA, Goethe-Universität Frankfurt), Frederike Lausch (TU Darmstadt) und Daniela Ortiz dos Santos (CCSA, Goethe-Universität Frankfurt)
Das Seminar ist ein gemeinsames Seminar des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt, in Zusammenarbeit mit Oliver Elser vom Deutschen Architekturmuseum. Die Vorträge finden in englischer und deutscher Sprache statt

- Tagesexkursionen in Frankfurt und Darmstadt, organisiert von Sarah Borree, Frederike Lausch und Daniela Ortiz dos Santos, 2.11.2021 und 4.11.2021
Die Tagesexkursionen „Frankfurt postkolonial“ und „Darmstadt auf einen Blick“ sind eine gemeinsame Veranstaltung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt.

- Hauptseminar: „Geschichte(n) neu erzählen: Das Archiv in der zeitgenössischen Kunst“, organisiert von Lena Holbein, mittwochs 12-14 Uhr
Das Seminar geht der vielschichtigen Referenzierung des Archivs - als Materialfundus, Praxis und Konzept - in der Gegenwartskunst nach. Zentral scheint dabei, dass die Künstler*innen mit der Authentizität und vermeintlichen Objektivität des Archivs spielen und den dominanten Erzählungen solche gegenüberstellen, die bisher ungehört blieben.


Ortstermine und thematisch relevante Veranstaltungshinweise


- Vortragsabend: "Exploring the Effects of Architecture" mit anschließender Diskussion, 2.11.2021, 18 Uhr (onlineDrei Vortragende und eine moderierte Diskussion widmen sich der Frage: Wie wirkt eigentlich Architektur?
Hannah Le Roux (University of the Witwatersrand, Johannesburg), Kenny Cupers (Universität Basel) und Daniel M. Abramson, Pamela Karimi, Laila Seewang und Meredith TenHoor für das Aggregate Architectural History Collaborative stellen Ihre Perspektiven auf die Ordnungsmacht gebauter Architektur vor. Der Abend lädt somit ein, einen Blickwinkel einzunehmen, bei dem Architekturschaffende aus- und Architekturerfahrende eingeblendet werden. Die Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt. Die Veranstaltung wurde konzipiert von Leonie Plänkers, Nina Gribat, Pietro Cesari und Sina Brückner-Amin von Architectures of Order (https://architecturesoforder.org)

Nachruf

​PD Dr. Gerlinde Gehrig

Mit dem Tod von PD Dr. Gerlinde Gehrig im Januar 2021 hat die Kunstwissenschaft eine außergewöhnliche Vertreterin verloren, deren zupackende Urteilskraft den ehemaligen Mitgliedern des Frankfurter Graduiertenkollegs „Psychische Energien bildender Kunst“ in guter Erinnerung sein wird. Der quellenkritischen historischen Arbeit und der induktiven Auseinandersetzung mit den Originalen war sie ebenso verpflichtet wie dem Dialog zwischen Kunstgeschichte und Psychoanalyse, den sie mit wesentlichen theoretischen Beiträgen und praktischen Anwendungsbeispielen bereichert hat. Dieses Wirken reicht weit über das von Klaus Herding begründete Graduiertenkolleg (1997-2004) hinaus, an dem sie als Doktorandin und Postdoktorandin beteiligt war. Anhand ihres Dissertationsthemas entwickelte sie aus ihrem Verständnis der psychoanalytischen Konzepte Melanie Kleins eine Methode des szenischen Verstehens, die eine Annäherung an die Phantasmen im Werk Alfred Kubins ermöglichte. Gleichwohl traumatische Kindheitserlebnisse in Werken Kubins verarbeitet werden, erkannte Gehrig in der im Anschluss an den Leonardo-Aufsatz von Sigmund Freud entstandenen Psychobiographik keine tragfähige Methode. Dass eine psychoanalytisch reflektierte Deutung weder Kontextwissen noch die Eigenlogik künstlerischer Werke ausblenden darf, unterstrich sie in späteren Beiträgen, die Zusammenhänge mit kulturellen Vorstellungsbildern wie dem des Totentanzes sowie Kubins offensive Selbstdarstellung als „Skandalautor“ für differenziertere Interpretationen heranziehen.

Zugleich bedachte sie die intermediale Dimension von Texten und Bildern, die im Zusammenhang der Illustrationen zu Hofmanns „Sandmann“ dichte Lektüren der Texte von Freud und Hofmann bedingen. Vorgeführt wird dies in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Orte des Unheimlichen“, für den sie als Mitherausgeberin fungierte. Nach Ende des Graduiertenkollegs hat Gehrig die von Falk Berger am SFI initiierte Konzeption und Publikation des „Handbuchs Psychoanalytischer Begriffe für die Kunstwissenschaft“ entscheidend vorangetrieben; vor allem ihrer Beharrlichkeit ist das Gelingen dieses Vorhabens zu verdanken. Das Anliegen, durch produktive Re-Lektüren Freuds ein psychoanalytisches Verständnis des Bildes zu entwickeln, das für die heutige Kunstgeschichte anschlussfähig ist, kommt in ihren eigenen Beiträgen mustergültig zum Ausdruck. Eine weitere Forschungslinie des Graduiertenkollegs, die Emotionsforschung, versah Gehrig mit einem deutlich feministischen Akzent und verwies damit nicht nur auf Desiderate dieses Projekts, sondern auch auf blinde Stellen des zeitgenössischen Kunstdiskurses. Ihr im Band „Die Ästhetik affektiver Grenzerfahrungen“ veröffentlichter Vortrag zum „Gefühl der Scham in den Körper-Inszenierungen von Vanessa Beecroft“ regte denn auch bei der Heidelberger Tagung eine lebhafte Diskussion an. Zu Zeiten des Graduiertenkollegs hatte sie in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Modelle künstlerischer Produktion“ in einer Arbeit Jeff Walls eine angstbesetzte Nahtstelle zwischen schlichter Realität und Imagination aufgedeckt.

In ihrer unveröffentlicht gebliebenen Habilitationsschrift „Schicksale des Affektiven bei Sigmund Freud und Jeff Wall“ verwirklichte sie das von Ilse Grubrich-Simitis geforderte „Zurück zu Freuds Texten“, indem sie zwischen Theorietexten und Fotokunst Jeff Walls eine diskursive Konstellation aufspürte, die es entlang der offenkundigen, sowie der über Benjamin und Barthes vermittelten indirekten Freud-Lektüren Walls fruchtbar zu machen galt. Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ identifizierte sie als ein Subtext dieser Beiträge und führte aus: „Auch Wall bezieht sich (…) auf Freuds Unheimliches. Hier [in Dan Grahams ‚Glashaus', U.P.] ist der Kontext die gläserne Herrschaftsarchitektur der Moderne, in welcher autoritäre Führergestalten ein unheimliches Blick-Regime installieren. Eine verwandte Thematik zeigt sich auch in ‚A Ventriloquist at a Birthday Party in October 1947': ein Diskurs über väterliche/männliche Macht, Täuschung und visuelle Repräsentation.“ Gehrig zufolge ermöglichen es Freuds vom Subjekt ausgehenden Vorstellungen weit besser als Lacansche und Deleuzesche Begrifflichkeiten, die in Walls Texten und Fotografien am Werk befindlichen Vorstellungen von Affekt zu erfassen und zu deuten. „Sein Interesse gilt dem Ausdruckspotential der menschlichen Gestalt, wie es sich als Ergebnis sozialer und politischer Machtverhältnisse zeigt.“ Dies nachzuweisen, gelingt ihr anhand der von Wall theoretisch konzeptualisierten und in seinem künstlerischen Werk implizierten „Mikrogestik“. In den Kapiteln zu Walls Arbeiten „Odradek“ und „A Ventroloquist“ wird exemplarisch deutlich, was Herding als durchgängige Qualität hervorhob: „Systematisch begibt sich [Gehrig] auf die Suche nach beunruhigenden Elementen.“

Seit 2010 lehrte Gehrig als Privatdozentin am Kunstgeschichtlichen Institut und führte dabei ihre Seminarkreise zu den Originalen in ihrer Heimatstadt Darmstadt. Ihre Tätigkeit in der Lehre und Vermittlung motivierte in den letzten Jahren eine verstärkte Zuwendung zur lokalen und regionalen Kunstgeschichte, auf deren Verknüpfung mit zentralen Ereignissen der Moderne – so Kubins Entdeckung der Sammlung Prinzhorn – sie in Aufsätzen hinwies. In einer Reihe jüngerer Publikationen zur Planung und kunstgeschichtlichen Einordnung des Darmstädter Paulusviertels nahm sie eine entschiedene Neubewertung des Heimatstils im Städtebau um 1900 vor, die aus konkreten Analysen von Werken Friedrich Pützers heraus argumentiert. Das lange im Schatten des Jugendstils der Mathildenhöhe stehende, einst aber überregional bekannte Paulusviertel und das Werk Pützers wollte sie im Zuge einer Rehabilitierung der Reformarchitektur wieder ins Licht rücken. Bei der Tagung „Recoding the City“ an der ETH Zürich betrachtete sie die von den Planungsprinzipien Camillo Sittes ausgehende Umgestaltung Darmstadts in der Ära des Großherzogs Ernst Ludwig in ihrer Gesamtheit und hob gegenüber den Verlusten durch die „Haussmannisierung“ die Ausrichtung auf die Lebensqualität der Bewohner hervor. Auch die FAZ erkannte 2015 in Gehrigs Aufarbeitung, die überraschende Parallelen zwischen Paulusviertel und Mathildenhöhe zog, „hochaktuelle Thesen“ zur Welterbe-Bewerbung. Vor dem Hintergrund der rezenten Ernennung der Mathildenhöhe zur UNESCO Welterbe-Stätte wäre ein solcher, an das Unbewusste einer Stadt rührender Geist weiterhin vonnöten; die Forschung muss auf einen unbestechlichen Blick verzichten.

Informationen zu den Lehrveranstaltungen am Kunstgeschichtlichen Institut im Wintersemester 2021/22


Stand: 22.Oktober 2021

Für das Wintersemester 2021/22 plant die Goethe-Universität eine weitgehende Rückkehr zur Präsenzlehre. An der Goethe-Universität gelten dabei universitätsweit die 3G-Regeln. Das bedeutet, Studierende müssen, um Zugang zu Lehrveranstaltungen in Präsenz zu erhalten, entweder mit einem in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoff (https://tinyurl.com/cn565rn6) gegen Covid-19 geimpft sein, von einer Covid-19-Erkrankung genesen sein oder einen tagesaktuellen negativen Antigentest vorweisen können. Selbsttests sind als Negativnachweis nicht zulässig. Gemäß aktueller Corona-Schutzverordnung wird es keine Kontaktnachverfolgung mehr geben.  In der Zeit Mo-Fr von 8 bis 20 Uhr werden die Zugangskontrolle und die stichprobenartige Überprüfung der 3G-Regel an den Eingängen zu den zentralen Lehrgebäuden vom externen Sicherheitsdienst VSD durchgeführt.  

Es besteht eine generelle Pflicht zum Tragen von medizinischen Masken (OP-Masken oder Schutzmasken der Standards FFP2, KN95, N95 oder vergleichbar ohne Ausatemventil) in den Gebäuden der Goethe-Universität sowie bei Lehrveranstaltungen und Prüfungen.

Genauere und tagesaktuelle Informationen finden Sie auf www.uni-frankfurt.de/corona

Für die Lehrveranstaltungen am Kunstgeschichtlichen Institut bedeutet dies folgendes:

Lehrveranstaltungen können in Präsenz durchgeführt werden. Einige Lehrveranstaltungen werden in einer Kombination aus Präsenzlehre und digitalen Formaten stattfinden. Größere Lehrveranstaltungen, z.B. die Propädeutika und die Vorlesungen, finden im Wintersemester voraussichtlich weiterhin online statt. Bitte informieren Sie sich im Vorlesungsverzeichnis und in den entsprechenden OLAT-Kursen zu den Lehrveranstaltungen.

Für den leichteren Übergang von der Präsenzlehre zur digitalen Lehre stellt die Universität studentische Arbeitsplätze zur Verfügung. Eine Auswahl von Räumen auf dem Campus Bockenheim (CB) oder auch Campus Westend (CW) finden Sie im Vorlesungsverzeichnis LSF/Qis. Bitte unter „Veranstaltungen“ den Titel: „gebucht für studentische
Arbeitsplätze“ eingeben.

Wir bitten darüber hinaus alle Studierenden, die einer Risikogruppe angehören oder in einem Risikogruppenhaushalt leben und daher nicht an den Präsenzveranstaltungen teilnehmen können, sich bei den Dozentinnen und Dozenten Ihrer ausgewählten Präsenzlehrveranstaltung zu melden, damit zeitnah alternative Lösungen gefunden werden können.

Alle Informationen werden beständig aktualisiert. Bitte informieren Sie sich eigenständig und rufen Sie regelmäßig die entsprechenden online-Adressen auf! Achten Sie bitte auch auf Nachrichten, die Sie über Ihren studentischen E-Mail-Account erhalten.

Grundsätzliche Regelungen zu den Abgabefristen von Hausarbeiten/Prüfungsleistungen in den Lehrveranstaltungen des Wintersemesters 2021/22:

Angaben zu den Prüfungsterminen finden Sie auf der Homepage des Kunstgeschichtlichen Instituts unter der Rubrik „Studium“, dann „Termine und Fristen“. Für Hausarbeiten und Abschlussarbeiten wurde die Abgabefrist uniweit um zwei Wochen verlängert.

Erreichbarkeit der Mitarbeiter:innen am Kunstgeschichtlichen Institut:

Persönliche Beratungen und Sprechstunden finden weiterhin telefonisch oder per Videokonferenz statt. Melden Sie sich bitte bei den einzelnen Personen per E-Mail.

Die Tätigkeit der Sekretariate ist weiterhin teilweise auf Homeoffice umgestellt. Auch hier bitten wir Sie, Ihre Anfragen per E-mail zu stellen.

Kunstbibliothek:

Ab dem 1.Oktober gilt auch für den Zugang der Kunstbibliothek die 3G-Regelung. In der Bibliothek gilt weiterhin Maskenpflicht; Sie dürfen aber die Maske ablegen, wenn Sie am Arbeitsplatz sitzen. Genauere Informationen zu den Zugangsregelungen, Öffnungszeiten und zum Buchungssystem finden Sie unter https://www.ub.uni-frankfurt.de/kunstbibliothek/

AO_Ringvorlesung

Gebaute Ordnung: Speicher des Wissens

Unser alltägliches Leben wird in nicht unerheblichem Maße von der architektonischen  Konfiguration des uns umgebenden Raums beeinflusst. Hierbei handelt es sich jedoch nur selten um das Produkt zufälliger und nicht intendierter Umstände. So müssen sich Architekt_innen, die sich mit der baulichen Gestaltung von Regierungs-  und Behördengebäuden, städtischen Räumen, Bibliotheken oder anderen Formen  des Gebauten auseinandersetzen, seit jeher nicht nur nach ästhetischen, sondern gleichermaßen nach funktionalen Anforderungen und Bedürfnissen richten, die an  die von ihnen entworfenen Bauten und Architekturen gestellt werden. Resultat sind sich architektonisch manifestierende Räume, die unter anderem politisch-soziale Ordnungen und Idealvorstellungen widerspiegeln und konstituieren sollen oder in Hinblick auf spezifische Formen der Machtausübung und Machtsicherung gestaltet werden.
Der LOEWE-Schwerpunkt „Architekturen des Ordnens: Praktiken und Diskurse zwischen Entwerfen und Wissen“, ein Forschungsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt und Technischen Universität Darmstadt, mit dem Max-Planck-Institut für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie und dem Deutschen Architekturmuseum als außeruniversitären Partnern, hat sich im Rahmen des Jahresthemas 2021 „Gebaute Ordnung“ in der ersten Jahreshälfte mit verschiedenen Räumen der Macht auseinandergesetzt. In der zweiten Jahreshälfte stehen „Speicher des Wissens“ im Mittelpunkt.
Den Ausgangspunkt für die thematische Ausrichtung der Ringvorlesung „Gebaute Ordnung: Speicher des Wissens“ im Wintersemester 2021/22 bildet die Feststellung, dass Architektur Wissen räumlich konfiguriert und damit wesentlichen Anteil an der Modulierung, Durchsetzung, Kanonisierung und Institutionalisierung epistemischer Modelle hat. Archive, Bibliotheken, Museen und Universitäten können als materialisierte Wissensordnungen aufgefasst werden: Das gesammelte, ausgewählte, geordnete, erschlossene und vermittelte Wissen wird räumlich gefasst. Untersucht werden soll, inwiefern die konkrete architektonische Rahmung auf Organisations- oder Wissensstrukturen zurückwirkt.Im Rahmen von vier Abendvorträgen, die reale, theoretische und utopische Wissensordnungen und deren architektonische Konfiguration in den Blick nehmen, wird dem wechselseitigen Verhältnis von gebauten Räumen und Ordnungsvorstellungen nachgegangen.

DO 18.11.2021, 18:00 Uhr
WOUTER VAN ACKER
»Reformatting the Memory Palace: When Everything Exists to End in a Document«
https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJIkce2gqDwvEtHNceRuQ91ck9ntGUdvW4BN


MI 01.12.2021, 18.00 Uhr
PHILIPPE VIÉRIN
»Reading Place«
https://www.architektur.tu-darmstadt.de/portfolio/veranstaltungen_arch/vortraege/vortraege_mav/index.de.jsp

DO 13.01.2022, 18:00 Uhr
KIRSTEN WAGNER
»Gebaute Welt- und Wissensordnung. Architekturen der Weltausstellungen im 19. Jahrhundert«
https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJMtc-yqrzIoHtEQb3FWJgP2YYdc-zlZ3aBg


DO 27.01.2022, 18:00 Uhr
EVA DOLEZEL
»Objektarchitekturen, Wissenskonstellationen. Der museale Raum der Kunst- und Naturalienkammern in Theorie und Praxis«
https://uni-frankfurt.zoom.us/meeting/register/tJMlf-qqqD8jGtTEZofeOBn4Cg5mdBw8G07


Matthias Krüger, Léa Kuhn und Ulrich Pfisterer (Hg.)

Pro domo. Kunstgeschichte in eigener Sache

Wer PRO DOMO redet, spricht ›für das eigene Haus‹, das heißt in eigener Sache. Auf welche Weise Vertraute von Künstler:innen aktiv und nachhaltig Kunstgeschichte gestalten, untersucht dieser Band.
Aus dem direkten Umfeld von Künstler:innen versuchen sich immer wieder Personen an einer PRO DOMO-Kunstgeschichte: im Medium des Textes, der Fotoreportage, des Films oder des Digitalen. Solche Formen einer oft dezidiert parteiischen Kunstgeschichtsschreibung werden hier erstmals umfassend analysiert. Den Ausgangspunktbilden Schriften, die meist im unmittelbaren Umfeld von Künstler:innen – zuweilen auch in direkter Kooperation – entstanden sind und die somit gleichsam für diese das Wort ergreifen. Thematisch spannt das Buch einen Bogen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und fragt auch danach, was dieses PRO DOMO-Prinzip für die Kunstgeschichte insgesamt bedeutet und wie heute mit einer solchen Involvierung umzugehen ist.

Stefanie Heraeus (Hg.)

Wörter, Sprache, Gespräche ausstellen

Wie lassen sich Wörter, Sätze, Gespräche und andere sprachbasierte Kommunikationsformen ausstellen? Und wie verändern Gesprächsmodi - als Konzept, Performance, Sound oder Code, Notiz oder Aufzeichnung - das Format und den Raum der Ausstellung? Die Beiträge des Bandes widmen sich diesen Fragen und stellen dabei gegenwärtige künstlerische Positionen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen ins Zentrum. Ausgangspunkt der Diskussionen sind zwei kuratorische Projekte in Frankfurt am Main: Die Ausstellung 215 mit Leo Asemota und Nástio Mosquito im Portikus und Subject:Fwd:Unknown mit Michal Heiman, Nora Turato, Tim Etchells und Yutie Lee im Projektraum fffriedrich.

Mit Beiträgen u.a. von Fiona Geuß, Heike Gfrereis, Christina Lehnert, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Philippe Pirotte.

Vom Wort zur Kunst. Künstlerzeugnisse vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart


Hrsg. Helen Barr, Dirk Hildebrandt, Ulrike Kern und Rebecca Müller

Für die kunsthistorische Forschung liefern Textquellen wichtige Indizien zur Erschließung von Artefakten und ihren Entstehungskontexten. Aussagen der Künstler*innen gelten dabei traditionell als hochgradig authentisch: Wer sollte ihr Werk besser kennen und erklären können als sie selbst? Der Band stellt neue Forschungsansätze zum Sprechen und Schreiben von Künstlern vor und trägt damit zu der aktuellen Diskussion über Künstlerimages, Künstlerrollen und die Reflexion künstlerischer Produktion bei. Mit dem einleitenden Abriss über Textgattungen und Genres, in denen Künstler*innen seit dem Frühmittelalter gesprochen und geschrieben haben, liegt erstmalig ein chronologischer Überblick von Künstlerselbstaussagen vor.

Die Publikation ist aus der Ringvorlesung „Der Künstler spricht“ am Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt im Sommersemester 2017 hervorgegangen.

Mit Beiträgen von
Helen Barr, Johannes Endres, Johanna Függer-Vagts, Heidi C. Gearhart, Dirk Hildebrandt, Henry Keazor, Antje Krause-Wahl, Christine Ott, Bruno Reudenbach, Berit Wagner, Iris Wien und Andreas Zeising

332 S. m. 65 überw. farb. Abb.
ISBN 978-3-942819-52-4
EDITION IMORDE

Semesterschwerpunkt im Wintersemester 2021/2022

​‚Architektur, Archive und Aktivismus‘

In Architektur, Archive und Aktivismus werden Archive und Archivarbeit als potentielle Formen des Aktivismus im Bereich der Architekturproduktion und des Architekturdiskurses reflektiert. Aktivismus impliziert einen politischen Anspruch, wenn wir das Politische als einen kommunikativen und konfliktbehafteten Raum verstehen, in dem wir alle als Gesellschaft entscheiden, wie wir gemeinsam handeln. Archive sind weder neutrale noch stabile Institutionen. Sie sind selbst historische und politische Gebilde. Sie bewahren, legitimieren und prägen sowohl die Produktion als auch die Geschichte und Theorie der gebauten Umwelt.

Was ist ein Archiv oder was kann es sein? Wie können wir die Stadt als ein Archiv betrachten? In Anbetracht der Tatsache, dass jedes Archiv eine bestimmte und kuratierte Perspektive repräsentiert, beschäftigt sich das Seminar nicht nur mit der Frage, wie, warum und durch wen Archive konstruiert werden. Es möchte auch Wege erkunden, um bestehende Archive kritisch zu befragen und vielleicht sogar zu dekonstruieren. Können de-koloniale, feministische, soziale und anti-rassistische Ansätze in der Arbeit mit Archiven als Formen des Aktivismus betrachtet werden? Unser Bestreben ist es, von einer übersichtgebenden, historischen Perspektive auf die Architekturforschung abzuweichen und eine Plattform für den Austausch von situierten Positionen, Thesen und Erzählungen vorzuschlagen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des CCSA (criticalarchitecture.org)

Lehrveranstaltungen zum Semesterschwerpunkt:


- Ringvorlesung „Architecture, Archive, Activism“, organisiert von Carsten Ruhl, donnerstags 10-12 Uhr (online)
  • 04.11.2021: Rembert Hüser (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main), »Wasser im Archiv«
  • 18.11.2021: Samuel Burgum (Birmingham City University/Urban Institute, University of Sheffield) »This City is an Archive! Squatting History and Urban Authority«
  • 02.12.2021: Knut Ebeling (Kunsthochschule Berlin Weißensee) »Toute la mémoire du monde. Vom Archiv der Stadt zur Stadt des Archivs«
  • 16.12.2021, Hana Gründler (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Florenz »Action or Retraction? Prague as an Im/material Archive, 1950–1980«
  • 27.01.2022: Anne Hultzsch (ETH Zürich) »Writing Her Own Archive«
  • 10.02.2022: Samia Henni (Albert Hirschman Chair for Identity Passions between Europe and the Mediterranean at the Institute for Advanced Studies, University of Marseilles) »Illegal or Secret? On France’s Classification of Declassified Archives«
     Aufzeichnungen der Vorträge werden im Anschluss auf Youtube verfügbar sein: https://www.youtube.com/channel/UCsG4hO4yXt0NAwUzCMrugiw

- CCSA Seminar: „Linking Architecture, Archives and Activism”, organisiert von Sarah Borree (LOEWE/CCSA, Goethe-Universität Frankfurt), Frederike Lausch (TU Darmstadt) und Daniela Ortiz dos Santos (CCSA, Goethe-Universität Frankfurt)
Das Seminar ist ein gemeinsames Seminar des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt, in Zusammenarbeit mit Oliver Elser vom Deutschen Architekturmuseum. Die Vorträge finden in englischer und deutscher Sprache statt

- Tagesexkursionen in Frankfurt und Darmstadt, organisiert von Sarah Borree, Frederike Lausch und Daniela Ortiz dos Santos, 2.11.2021 und 4.11.2021
Die Tagesexkursionen „Frankfurt postkolonial“ und „Darmstadt auf einen Blick“ sind eine gemeinsame Veranstaltung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt.

- Hauptseminar: „Geschichte(n) neu erzählen: Das Archiv in der zeitgenössischen Kunst“, organisiert von Lena Holbein, mittwochs 12-14 Uhr
Das Seminar geht der vielschichtigen Referenzierung des Archivs - als Materialfundus, Praxis und Konzept - in der Gegenwartskunst nach. Zentral scheint dabei, dass die Künstler*innen mit der Authentizität und vermeintlichen Objektivität des Archivs spielen und den dominanten Erzählungen solche gegenüberstellen, die bisher ungehört blieben.


Ortstermine und thematisch relevante Veranstaltungshinweise


- Vortragsabend: "Exploring the Effects of Architecture" mit anschließender Diskussion, 2.11.2021, 18 Uhr (onlineDrei Vortragende und eine moderierte Diskussion widmen sich der Frage: Wie wirkt eigentlich Architektur?
Hannah Le Roux (University of the Witwatersrand, Johannesburg), Kenny Cupers (Universität Basel) und Daniel M. Abramson, Pamela Karimi, Laila Seewang und Meredith TenHoor für das Aggregate Architectural History Collaborative stellen Ihre Perspektiven auf die Ordnungsmacht gebauter Architektur vor. Der Abend lädt somit ein, einen Blickwinkel einzunehmen, bei dem Architekturschaffende aus- und Architekturerfahrende eingeblendet werden. Die Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt. Die Veranstaltung wurde konzipiert von Leonie Plänkers, Nina Gribat, Pietro Cesari und Sina Brückner-Amin von Architectures of Order (https://architecturesoforder.org)

Nachruf

​PD Dr. Gerlinde Gehrig

Mit dem Tod von PD Dr. Gerlinde Gehrig im Januar 2021 hat die Kunstwissenschaft eine außergewöhnliche Vertreterin verloren, deren zupackende Urteilskraft den ehemaligen Mitgliedern des Frankfurter Graduiertenkollegs „Psychische Energien bildender Kunst“ in guter Erinnerung sein wird. Der quellenkritischen historischen Arbeit und der induktiven Auseinandersetzung mit den Originalen war sie ebenso verpflichtet wie dem Dialog zwischen Kunstgeschichte und Psychoanalyse, den sie mit wesentlichen theoretischen Beiträgen und praktischen Anwendungsbeispielen bereichert hat. Dieses Wirken reicht weit über das von Klaus Herding begründete Graduiertenkolleg (1997-2004) hinaus, an dem sie als Doktorandin und Postdoktorandin beteiligt war. Anhand ihres Dissertationsthemas entwickelte sie aus ihrem Verständnis der psychoanalytischen Konzepte Melanie Kleins eine Methode des szenischen Verstehens, die eine Annäherung an die Phantasmen im Werk Alfred Kubins ermöglichte. Gleichwohl traumatische Kindheitserlebnisse in Werken Kubins verarbeitet werden, erkannte Gehrig in der im Anschluss an den Leonardo-Aufsatz von Sigmund Freud entstandenen Psychobiographik keine tragfähige Methode. Dass eine psychoanalytisch reflektierte Deutung weder Kontextwissen noch die Eigenlogik künstlerischer Werke ausblenden darf, unterstrich sie in späteren Beiträgen, die Zusammenhänge mit kulturellen Vorstellungsbildern wie dem des Totentanzes sowie Kubins offensive Selbstdarstellung als „Skandalautor“ für differenziertere Interpretationen heranziehen.

Zugleich bedachte sie die intermediale Dimension von Texten und Bildern, die im Zusammenhang der Illustrationen zu Hofmanns „Sandmann“ dichte Lektüren der Texte von Freud und Hofmann bedingen. Vorgeführt wird dies in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Orte des Unheimlichen“, für den sie als Mitherausgeberin fungierte. Nach Ende des Graduiertenkollegs hat Gehrig die von Falk Berger am SFI initiierte Konzeption und Publikation des „Handbuchs Psychoanalytischer Begriffe für die Kunstwissenschaft“ entscheidend vorangetrieben; vor allem ihrer Beharrlichkeit ist das Gelingen dieses Vorhabens zu verdanken. Das Anliegen, durch produktive Re-Lektüren Freuds ein psychoanalytisches Verständnis des Bildes zu entwickeln, das für die heutige Kunstgeschichte anschlussfähig ist, kommt in ihren eigenen Beiträgen mustergültig zum Ausdruck. Eine weitere Forschungslinie des Graduiertenkollegs, die Emotionsforschung, versah Gehrig mit einem deutlich feministischen Akzent und verwies damit nicht nur auf Desiderate dieses Projekts, sondern auch auf blinde Stellen des zeitgenössischen Kunstdiskurses. Ihr im Band „Die Ästhetik affektiver Grenzerfahrungen“ veröffentlichter Vortrag zum „Gefühl der Scham in den Körper-Inszenierungen von Vanessa Beecroft“ regte denn auch bei der Heidelberger Tagung eine lebhafte Diskussion an. Zu Zeiten des Graduiertenkollegs hatte sie in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Modelle künstlerischer Produktion“ in einer Arbeit Jeff Walls eine angstbesetzte Nahtstelle zwischen schlichter Realität und Imagination aufgedeckt.

In ihrer unveröffentlicht gebliebenen Habilitationsschrift „Schicksale des Affektiven bei Sigmund Freud und Jeff Wall“ verwirklichte sie das von Ilse Grubrich-Simitis geforderte „Zurück zu Freuds Texten“, indem sie zwischen Theorietexten und Fotokunst Jeff Walls eine diskursive Konstellation aufspürte, die es entlang der offenkundigen, sowie der über Benjamin und Barthes vermittelten indirekten Freud-Lektüren Walls fruchtbar zu machen galt. Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ identifizierte sie als ein Subtext dieser Beiträge und führte aus: „Auch Wall bezieht sich (…) auf Freuds Unheimliches. Hier [in Dan Grahams ‚Glashaus', U.P.] ist der Kontext die gläserne Herrschaftsarchitektur der Moderne, in welcher autoritäre Führergestalten ein unheimliches Blick-Regime installieren. Eine verwandte Thematik zeigt sich auch in ‚A Ventriloquist at a Birthday Party in October 1947': ein Diskurs über väterliche/männliche Macht, Täuschung und visuelle Repräsentation.“ Gehrig zufolge ermöglichen es Freuds vom Subjekt ausgehenden Vorstellungen weit besser als Lacansche und Deleuzesche Begrifflichkeiten, die in Walls Texten und Fotografien am Werk befindlichen Vorstellungen von Affekt zu erfassen und zu deuten. „Sein Interesse gilt dem Ausdruckspotential der menschlichen Gestalt, wie es sich als Ergebnis sozialer und politischer Machtverhältnisse zeigt.“ Dies nachzuweisen, gelingt ihr anhand der von Wall theoretisch konzeptualisierten und in seinem künstlerischen Werk implizierten „Mikrogestik“. In den Kapiteln zu Walls Arbeiten „Odradek“ und „A Ventroloquist“ wird exemplarisch deutlich, was Herding als durchgängige Qualität hervorhob: „Systematisch begibt sich [Gehrig] auf die Suche nach beunruhigenden Elementen.“

Seit 2010 lehrte Gehrig als Privatdozentin am Kunstgeschichtlichen Institut und führte dabei ihre Seminarkreise zu den Originalen in ihrer Heimatstadt Darmstadt. Ihre Tätigkeit in der Lehre und Vermittlung motivierte in den letzten Jahren eine verstärkte Zuwendung zur lokalen und regionalen Kunstgeschichte, auf deren Verknüpfung mit zentralen Ereignissen der Moderne – so Kubins Entdeckung der Sammlung Prinzhorn – sie in Aufsätzen hinwies. In einer Reihe jüngerer Publikationen zur Planung und kunstgeschichtlichen Einordnung des Darmstädter Paulusviertels nahm sie eine entschiedene Neubewertung des Heimatstils im Städtebau um 1900 vor, die aus konkreten Analysen von Werken Friedrich Pützers heraus argumentiert. Das lange im Schatten des Jugendstils der Mathildenhöhe stehende, einst aber überregional bekannte Paulusviertel und das Werk Pützers wollte sie im Zuge einer Rehabilitierung der Reformarchitektur wieder ins Licht rücken. Bei der Tagung „Recoding the City“ an der ETH Zürich betrachtete sie die von den Planungsprinzipien Camillo Sittes ausgehende Umgestaltung Darmstadts in der Ära des Großherzogs Ernst Ludwig in ihrer Gesamtheit und hob gegenüber den Verlusten durch die „Haussmannisierung“ die Ausrichtung auf die Lebensqualität der Bewohner hervor. Auch die FAZ erkannte 2015 in Gehrigs Aufarbeitung, die überraschende Parallelen zwischen Paulusviertel und Mathildenhöhe zog, „hochaktuelle Thesen“ zur Welterbe-Bewerbung. Vor dem Hintergrund der rezenten Ernennung der Mathildenhöhe zur UNESCO Welterbe-Stätte wäre ein solcher, an das Unbewusste einer Stadt rührender Geist weiterhin vonnöten; die Forschung muss auf einen unbestechlichen Blick verzichten.