Aktuelles

Farbe. Eine Kunst- und Wissensgeschichte

Ringvorlesung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dienstags 18:00-20:00
Campus Westend, Theodor-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Hörsaalzentrum HZ 3

Organisiert von Prof.'in Dr. Mechthild Fend Dr. Mechthild Fend und Dr. Ulrike Kern


Die Farbe ist eines der wichtigsten Elemente der visuellen Künste. Die Malerei lebt durch die Farbe, Skulpturen sind und waren häufiger farbig als gemeinhin ange­nommen. Doch ist das Verhältnis zu diesem Bildelement oft ein ambivalentes. Der vorgeblich rationalen Linie oder Form wurde die Farbe vielfach als sinnlich oder verführerisch gegenübergestellt. Dabei wurde sie bald bewundert und bald als akzidentiell, trügerisch oder gar irrational abgewertet und aufgrund dieser Zuschrei­bungen weiblich konnotiert. Nicht selten wurde Farbe in Europa auch mit dem Wilden und Exotischen assoziiert. In kolonialen Zusammenhängen wurden Farb­exzesse mit nicht-europäischen Kulturen in Verbindung gebracht, während gleichzeitig Färbemittel wie Indigo zu den begehrtesten und wertvollsten Produkten des globalen Handels und der kolonialen Ausbeutung gehörten.

Die Vorlesungsreihe stellt die Frage nach dem Verhältnis zwischen der Kunst­geschichte und der Wissens- und Industriegeschichte der Farbe. Von besonderem Interesse ist dabei die Farbproduktion in der ehemaligen IG Farben (im Volksmund auch ‚Rotfabrik' genannt), in deren Verwaltungsgebäude heute Teile der Goethe-Universität untergebracht sind. Die Höchst-AG spezialisierte sich auf die Entwicklung und Herstellung synthetischer Farben und produzierte als erste chemische Fabrik künstliches Indigo. Die Ringvorlesung knüpft an die jüngste Forschung an, die sich neben der sich wandelnden Semantik der Farbe verstärkt auch dem historischen Farbwissen sowie der materiellen Kultur von Pigmenten und natürlichen wie synthetischen Färbemitteln zugewandt hat. Außerdem fragt die Vorlesungsreihe nach dem Verhältnis von Körper und Farbe, insbesondere der Verschränkung von künstlerischem und naturgeschichtlichem Wissen von der Hautfarbe.

Colour. A History of Art and Knowledge
Lecture Series, Tuesdays 18:15–19:45

Colour is one of the most important elements of the visual arts. It is essential for painting. Sculptures too were more frequently polychrome than generally believed. Still, the attitude towards colour is often ambivalent. Considered sensuous and seductive, it was often juxtaposed with the allegedly rational line or form. As such it was at times admired but also dismissed as accidental, deceptive or irrational and, because of these attributions, gendered feminine. In Europe, it was not uncommon to associate colour with the wild and exotic. Especially in imperial contexts, colour excesses were attributed to non-European cultures, while dyes such as indigo were among the most sought-after and costly goods of the global trade and of colonial exploitation.
 
The occasion for this lecture series is the upcoming relocation of the Goethe University’s art history department from Bockenheim to the new Westend Campus situated on the grounds of the former administration of the IG Farben (‘dye industry corporation’), the consortium of the German chemical and pharmaceutical industry. The Hoechst AG (near Frankfurt) specialized in the development and fabrication of synthetic dyes and was the first chemical factory to produce artificial indigo. Departing from this history, the lecture series will raise the question of the connections between the art history of colour on the one side and the industrial history of colour and history of colour knowledge on the other. It ties in with recent topical research on colour, which considers not only the changing semantics of colour but also the material culture of pigments and natural or synthetic dyes as well as colour as an object of knowledge. Moreover, the lecture series raises the issue of the entanglement of colour and the human body, especially the entwined artistic and anthropological knowledge of skin colour. 


Programm

26.04.2022Esther Leslie, Birkbeck College London
Red Green Blue: IG Farben's Chemical Colours and the Contamination of Everything

3.05.2022Giulia Simonini und Friedrich Steinle, TU Berlin
Farbtheorien des 18. Jahrhunderts und die Grundfarbe Rot in der Dreifarbenlehre



10.05.2022Ad Stijnman, Amsterdam
Wahre Farben: Jacob Christoff Le Blon und Jan L'Admiral – technische Aspekte des Dreifarbendrucks

24.05.2022Melissa Hyde, University of Florida, Gainesville
Men in Pink

31.05.2022Karin Leonhard, Universität Konstanz
Die Erweiterung der Palette. Künstler im Labor 1580-1680      

14.06.2022Kirsty Sinclair Dootson, University of St Andrews        
Skin, Colour, and Sensitivity: The Racial Histories of Chromatic Cinema

28.06.2022Carole Biggam, University of Glasgow
Blue in Early English: A Most Elusive Concept

12.07.2022Ben Pollitt, The Courtauld Institute, London
Colour, Climate, Weather (1770-1870)


Entworfene Ordnungen / Designed Orders

Ringvorlesung des LOEWE-Schwerpunkts “Architekturen des Ordnens"  
Lecture Series of the LOEWE Research Cluster “Architectures of Order"
Infos zur Anmeldung auf Zoom folgen hier: https://architecturesoforder.org/event/entworfene-ordnungen/
bzw. über Qis/LSF 
Organisiert von Dr. des. Lena Holbein
Entworfene Ordnungen
Der architektonische Entwurfsprozess zielt auf das Herstellen neuer Ordnungen und wird gleichzeitig selbst durch seine praktischen, technischen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen strukturiert. Dieser doppelten Relation spürt die Ringvorlesung des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“ im Sommer- und Wintersemester 2022/2023 nach. Jeder Entwurf imaginiert Zukunft und stellt einen Versuch dar, eine neue räumliche – und damit stets auch soziale – Ordnung hervorzubringen. Dieser projektive Zugriff auf noch Unbekanntes und Ungedachtes setzt dabei planerische Konventionen, bauliche Standards, rechtliche Vorgaben und etablierte architektonische, urbanistische und gesellschaftliche Vorstellungen zueinander ins Verhältnis, überdenkt und dynamisiert sie. Die Ringvorlesung fragt, in welcher Weise das Entwerfen die Interaktion dieser verschiedenen und heterogenen Faktoren strukturiert und welche Rolle die Bedingungen, Normen und Werkzeuge des Entwerfens spielen. Während die Ringvorlesung im Sommersemester der Frage nachgeht, wie Ordnung in den Entwurfsprozess kommt, nimmt das zweite Halbjahr das Wechselverhältnis von Entwurfsprozessen und ihren spezifischen Entwurfsgegenständen in den Blick.



Designed Orders
The architectural design process aims to create new orders and at the same time is, itself, structured by its practical, technical, social, and legal frameworks. The lecture series in the 2022/2023 summer and winter semester traces this double relation. Each design imagines the future and represents an attempt to create a new spatial – and thus always social – order. This projective access to the unknown and unthought places planning conventions, construction standards, legal requirements and established architectural, urbanistic and social ideas in relation to each other rethinks them, and makes them dynamic. The lecture series asks how design structures the interaction of these different and heterogeneous factors and what roles the conditions, norms, and tools of design play. While the series of lectures in the summer semester explores the question of how order comes about in the design process, the second half of the year examines the interrelationship between design processes and their specific design objects.

The lecture series will take place in the summer semester in hybrid mode (presence and via Zoom) on the Westend campus of Goethe University Frankfurt.


Information on how to register on Zoom will follow here: https://architecturesoforder.org/en/event/ordered-design/

Programm

Die Veranstaltungsreihe findet im Sommersemester im Hybridmodus (Präsenz und via Zoom) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt an folgenden Terminen statt:


21.04.22, 18:00 s.t.
CLAUDIA MAREIS (Humboldt-Universität Berlin)
»Kombinatorische Kreativität: Entwerfen und Erfinden zwischen Ordnung und Kontingenz«

05.05.22, 18:00 s.t.
LIONEL DEVLIEGER (Ghent University, RotorDC)
»Assembling Fragments: Designing with Salvaged Building Components«

02.06.22, 18:00 s.t.
NATHALIE BREDELLA (Karlsruher Institut für Technologie) mit NICK FÖRSTER (Technische Universität München) und BENJAMIN BEIL (Universität Köln)
»Tools of Play: Planungsstrategien der Metastadt«

07.07.22, 18:00 s.t.
HAUKE HORN (Universität Mainz)
»Eine Frage des Geldes? Immobilienwirtschaft und Kommunalpolitik als ordnende Kräfte bei Planung und Bau von Bankhochhäusern in Frankfurt a. M.«

Veranstaltungsort: Casino auf dem Campus Westend, Raum 1.811

>Ausnahme: Der Vortrag am 07.07. findet im ExNo-Gebäude, Raum EG.01 statt.

Infos zur Anmeldung auf Zoom folgen hier: https://architecturesoforder.org/event/entworfene-ordnungen/

Semesterschwerpunkt im Sommersemester 2022

Skulptur

Dieses Semester widmet sich der Semesterschwerpunkt der Skulptur und ihren Neufassungen und Erweiterungen seit der Moderne. Neben grundsätzlichen Einführungsveranstaltungen werden Seminare angeboten, die die Verbindungen zwischen Skulptur und Geschlecht untersuchen und die Einflüsse von sich verändernden Technologien auf die Materialität skulpturaler Arbeiten. Monumente und Architekturen als Ausdruck politischer Macht und insbesondere rassistischer und kolonialer Gewalt werden ebenso diskutiert wie die Bedeutung raumbezogener und objektbasierter Praktiken in derInstitutionskritik. Das Angebot wird durch Exkursionen und einen workshop, organisiert im Rahmen der Chillida-Gastprofessur, ergänzt.
Veranstaltungen im Semesterschwerpunkt: 

  • Dr. Christian Berger (Chillida Gastprofessur): „In Ermanglung einer besseren Bezeichnung“ – Positionen zum Skulpturbegriff seit den 1960er Jahren (Proseminar)
  • Dennis Brzek: Kunst als gesellschaftliches System: Institutionskritik seit 1968 (Proseminar)
  • Prof.'in Dr. Lea Kuhn: Skulptur und Geschlecht (Proseminar)
  • Dr. Daniela Ortiz dos Santos: Unesco Making Architecture Culture (Hauptseminar)
  • Dr. Christian Berger (Chilled Gastprofessur): Monumente in der zeitgenössischen Kunst (Masterseminar)
  • Prof.'in Dr. Antje Krause-Wahl: Future Bodies from a Recent Past – Skulptur in den 1980er und frühen 1990er Jahren (Masterseminar)

Semesterschwerpunkt im Wintersemester 2021/2022

​‚Architektur, Archive und Aktivismus‘

In Architektur, Archive und Aktivismus werden Archive und Archivarbeit als potentielle Formen des Aktivismus im Bereich der Architekturproduktion und des Architekturdiskurses reflektiert. Aktivismus impliziert einen politischen Anspruch, wenn wir das Politische als einen kommunikativen und konfliktbehafteten Raum verstehen, in dem wir alle als Gesellschaft entscheiden, wie wir gemeinsam handeln. Archive sind weder neutrale noch stabile Institutionen. Sie sind selbst historische und politische Gebilde. Sie bewahren, legitimieren und prägen sowohl die Produktion als auch die Geschichte und Theorie der gebauten Umwelt.

Was ist ein Archiv oder was kann es sein? Wie können wir die Stadt als ein Archiv betrachten? In Anbetracht der Tatsache, dass jedes Archiv eine bestimmte und kuratierte Perspektive repräsentiert, beschäftigt sich das Seminar nicht nur mit der Frage, wie, warum und durch wen Archive konstruiert werden. Es möchte auch Wege erkunden, um bestehende Archive kritisch zu befragen und vielleicht sogar zu dekonstruieren. Können de-koloniale, feministische, soziale und anti-rassistische Ansätze in der Arbeit mit Archiven als Formen des Aktivismus betrachtet werden? Unser Bestreben ist es, von einer übersichtgebenden, historischen Perspektive auf die Architekturforschung abzuweichen und eine Plattform für den Austausch von situierten Positionen, Thesen und Erzählungen vorzuschlagen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des CCSA (criticalarchitecture.org)

Lehrveranstaltungen zum Semesterschwerpunkt:


- Ringvorlesung „Architecture, Archive, Activism“, organisiert von Carsten Ruhl, donnerstags 10-12 Uhr (online)
  • 04.11.2021: Rembert Hüser (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main), »Wasser im Archiv«
  • 18.11.2021: Samuel Burgum (Birmingham City University/Urban Institute, University of Sheffield) »This City is an Archive! Squatting History and Urban Authority«
  • 02.12.2021: Knut Ebeling (Kunsthochschule Berlin Weißensee) »Toute la mémoire du monde. Vom Archiv der Stadt zur Stadt des Archivs«
  • 16.12.2021, Hana Gründler (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Florenz »Action or Retraction? Prague as an Im/material Archive, 1950–1980«
  • 27.01.2022: Anne Hultzsch (ETH Zürich) »Writing Her Own Archive«
  • 10.02.2022: Samia Henni (Albert Hirschman Chair for Identity Passions between Europe and the Mediterranean at the Institute for Advanced Studies, University of Marseilles) »Illegal or Secret? On France’s Classification of Declassified Archives«
     Aufzeichnungen der Vorträge werden im Anschluss auf Youtube verfügbar sein: https://www.youtube.com/channel/UCsG4hO4yXt0NAwUzCMrugiw

- CCSA Seminar: „Linking Architecture, Archives and Activism”, organisiert von Sarah Borree (LOEWE/CCSA, Goethe-Universität Frankfurt), Frederike Lausch (TU Darmstadt) und Daniela Ortiz dos Santos (CCSA, Goethe-Universität Frankfurt)
Das Seminar ist ein gemeinsames Seminar des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt, in Zusammenarbeit mit Oliver Elser vom Deutschen Architekturmuseum. Die Vorträge finden in englischer und deutscher Sprache statt

- Tagesexkursionen in Frankfurt und Darmstadt, organisiert von Sarah Borree, Frederike Lausch und Daniela Ortiz dos Santos, 2.11.2021 und 4.11.2021
Die Tagesexkursionen „Frankfurt postkolonial“ und „Darmstadt auf einen Blick“ sind eine gemeinsame Veranstaltung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt.

- Hauptseminar: „Geschichte(n) neu erzählen: Das Archiv in der zeitgenössischen Kunst“, organisiert von Lena Holbein, mittwochs 12-14 Uhr
Das Seminar geht der vielschichtigen Referenzierung des Archivs - als Materialfundus, Praxis und Konzept - in der Gegenwartskunst nach. Zentral scheint dabei, dass die Künstler*innen mit der Authentizität und vermeintlichen Objektivität des Archivs spielen und den dominanten Erzählungen solche gegenüberstellen, die bisher ungehört blieben.


Ortstermine und thematisch relevante Veranstaltungshinweise


- Vortragsabend: "Exploring the Effects of Architecture" mit anschließender Diskussion, 2.11.2021, 18 Uhr (onlineDrei Vortragende und eine moderierte Diskussion widmen sich der Frage: Wie wirkt eigentlich Architektur?
Hannah Le Roux (University of the Witwatersrand, Johannesburg), Kenny Cupers (Universität Basel) und Daniel M. Abramson, Pamela Karimi, Laila Seewang und Meredith TenHoor für das Aggregate Architectural History Collaborative stellen Ihre Perspektiven auf die Ordnungsmacht gebauter Architektur vor. Der Abend lädt somit ein, einen Blickwinkel einzunehmen, bei dem Architekturschaffende aus- und Architekturerfahrende eingeblendet werden. Die Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt. Die Veranstaltung wurde konzipiert von Leonie Plänkers, Nina Gribat, Pietro Cesari und Sina Brückner-Amin von Architectures of Order (https://architecturesoforder.org)

Lesekreis - Fachbereich 09 - Kunstgeschichtliches Institut

Collectivity, Collaboration, Commons: Gemeinschaften und kollektives Arbeiten in zeitgenössischen Kunstdiskursen

Ausgangspunkt der diesjährigen documenta ist das Konzept von lumbung. Das Kollektiv ruangrupa bezieht sich dabei auf den aus dem Indonesischen übersetzten Begriff „Reisescheune“, welche in ländlichen Gebieten Indonesiens gemeinschaftlich genutzt werden, um nachhaltig Ernte zusammenzutragen, zu lagern und zu verteilt. Dabei stehen Fragen nach sozialer Teilhabe, Verteilungsprozessen von Ressourcen, Wissen und Nachhaltigkeit im Vordergrund.

In diesem Lesekreis möchten wir uns mit dem Trend der Kollektiven und des gemeinschaftlichen Arbeitens in zeitgenössischen Kunstdiskursen auseinadersetzten. Zunächst sollen historische Kontexte gemeinschaftlichen Arbeitens in der Kunst besprochen werden. Bereits die Kunstproduktion der 1960er Jahre bietet durch das Aufkommen feministischer Künstler*innenkollektive und anti-rassistisch aktivistischen und künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum einen Ausgangspunkte dafür. Daraufhin diskutieren wir aktuelle theoretische Positionen und nähern uns dem Themenfeld aus postkolonialen, feministischen sowie queeren Perspektiven. Dies soll als Grundlage dienen, um in einem letzten Schritt konkrete zeitgenössische künstlerische Positionen näher zu betrachten.p>Neben kunsthistorische Texte, wie etwa Nicolas Bourriauds Begriff der Relationalen Ästhetik, werden auch Referenzen aus der Soziologie, Philosophie und den Queer- sowie Postcolonial-Studies herangezogen. Darunter Judith Butlers Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung oder Silvia Federicis Auseinandersetzung mit den Commons.

Die konkrete Literaturliste soll gemeinsam in der Gruppe gestaltet werden. Der Lesekreis wird zweiwöchentlich (voraussichtlich in Präsenz) stattfinden.

Kennenlernrunde: Mi, 20.04., 16:00 - 17:30 Uhr

Ort: Wird noch bekannt gegeben

Kontakt: radiasoukni@stud.uni-frankfurt.de

Léa Kuhn

Gemalte Kunstgeschichte. Bildgenealogien in der Malerei um 1800

Kunstgeschichte wird nicht nur geschrieben, sie wird auch gemalt. Dass auch innerhalb der Malerei vermehrt kunsthistorische Ordnungsmodelle entwickelt werden, sobald sich die Kunstgeschichte als akademische Disziplin zu etablieren beginnt, zeigt diese Studie. 

Mit Blick auf die Zeit um 1800 rekonstruiert die Autorin das feine Bezugsgeflecht zwischen entstehendem Kunstgeschichtsdiskurs und zeitgenössischer künstlerischer Praxis an so unterschiedlichen Orten wie Zürich, Paris, London und New York. Dabei wird deutlich: Die hier analysierten Werke von Marie-Gabrielle Capet, William Dunlap und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein illustrieren nicht bereits vorhandene kunsthistorische Narrative, sondern bringen selbst Vorschläge zu ihrer adäquaten Einordnung hervor – und weisen andere zurück. Geschichtsschreibung ist folglich nicht der einzige epistemologische Zugang zu (Kunst-)Geschichte und nicht die einzige Möglichkeit zu deren aktiver Gestaltung: In der Malerei selbst gibt es ein analoges Phänomen, das hier für die Zeit um 1800 erstmals umfassend nachgezeichnet wird.


Verlag Wilhelm Fink 2020
ISBN: 978-3-7705-6453-8

Daniela Ortiz dos Santos, Charlotte Malterre-Barthes, Torsten Lange und Gabrielle Schaad (Hg.):

Zeitgenössische feministische Raumpraxis

Diese Ausgabe beinhaltet keine abschließende Bestandsaufnahme der unzähligen Möglichkeiten, wie feministische Praxen eine bessere Zukunft gestalten oder zumindest aufscheinen lassen. Aus den vorgestellten geschriebenen, gesprochenen, gezeichneten, collagierten, kodierten, zusammengenähten, gelebten und gebauten Arbeiten entsteht ein großzügiger, hoffnungsvoller und zusammengesetzter Korpus von Möglichkeiten zur Transformation aktueller Bedingungen. Die Beiträge zeigen, was sich ändern muss und kann, damit Architektur und Planung angesichts der anhaltenden sozialen und ökologischen Krise relevant bleiben. Konstellationen queerer, antirassistischer, antikolonialer, solidarischer, intersektionaler und ökofeministischer Akteur­*innen brechen mit den gegenwärtigen profitorientierten, zerstörerischen und extraktivistischen Operations­modi der Architektur und Bauindustrie. Sie entpatriarchalisieren, dekolonisieren und dekarbonisieren den Berufsstand. Sie bringen die widerständigen und emanzipierten Raumpraxen hervor, die wir heute und morgen dringend brauchen. Früheren sowie aktuellen Formen feministischen Engagements verpflichtet, entwirft die hier vorgestellte unbeständige Ansammlung technisch versierter Aktivist­*innen und politisierter Student­*innen, queerer Denker­*innen, intersektionaler Historiker­*innen und kritischer Theoretiker­*innen, engagierter Designer­*innen, radikaler Archivar­*innen, kompromissloser Pädagog­*innen, Design-Kooperativen, Reparatur-Kollektiven und risikofreudiger Raumpraktiker­*innen Wege aus der Krise hin zu einer wirklich nachhaltigen Zukunft, die tief in der Gleichstellung der Geschlechter sowie der sozialen und räumlichen Gerechtigkeit verwurzelt ist. Höchste Zeit für die Architektur, Bilanz zu ziehen und sich diesem Diskurs zu öffnen!

Redaktionsorganisation: Melissa Koch und Anh-Linh Ngo

Mehr Informationen: https://archplus.net


Mechthild Fend:

Images Made by Contagion: On Dermatological Wax Moulages

Sage Journals, 17.1.2022

Online abrufbar unter: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1357034X211036488

Moulages are contact media – images made by contagion in the most literal sense: their production relies on a process in which the object to be reproduced is touched by the reproducing material. In the case of dermatological moulages, the plaster touches the infected skin of the sick and, once dried, serves as the negative form for the waxen image of a disease. Focussing on the collection of the Hôpital Saint-Louis in Paris, the article situates the production of dermatological moulages within the visual culture of 19th-century medicine and raises the question how an ancient technique of image production could become such a prevalent tool for the documentation of skin diseases during a period usually associated with the rise of scientific medicine and a reconsideration of theories of contagion in medical aetiology.

Markus Dauss: 

Architektur für die Nation? Frankreich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts

Der Text fokussiert die Architektur in der französischen Hauptstadt im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit die Frage nationaler Repräsentation bestimmend für das Bauen in Paris war. Die Dritte Republik (1870‒1940) hatte zur (öffentlichen) Architektur – oder zumindest zu ihrer zentralen staatlichen Steuerung ‒ eigentlich ein ambivalentes Verhältnis, setzte eher punktuelle Akzente. Diese konnten allerdings herausragend sein; viele gelten bis heute, selbst wenn sie anfangs umstritten waren, als Repräsentanten der ‚Grande Nation' und ihrer Kapitale, so an allererster Stelle etwa der Eiffelturm von 1889.

(In: Kunstgeschichte, Open Peer Review Journal: https://www.kunstgeschichte-ejournal.net/588/)

Vortrag auf You Tube: https://www.youtube.com/watch?v=FH9Lv9nDUb8


Matthias Krüger, Léa Kuhn und Ulrich Pfisterer (Hg.)

Pro domo. Kunstgeschichte in eigener Sache

Wer PRO DOMO redet, spricht ›für das eigene Haus‹, das heißt in eigener Sache. Auf welche Weise Vertraute von Künstler:innen aktiv und nachhaltig Kunstgeschichte gestalten, untersucht dieser Band.
Aus dem direkten Umfeld von Künstler:innen versuchen sich immer wieder Personen an einer PRO DOMO-Kunstgeschichte: im Medium des Textes, der Fotoreportage, des Films oder des Digitalen. Solche Formen einer oft dezidiert parteiischen Kunstgeschichtsschreibung werden hier erstmals umfassend analysiert. Den Ausgangspunktbilden Schriften, die meist im unmittelbaren Umfeld von Künstler:innen – zuweilen auch in direkter Kooperation – entstanden sind und die somit gleichsam für diese das Wort ergreifen. Thematisch spannt das Buch einen Bogen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und fragt auch danach, was dieses PRO DOMO-Prinzip für die Kunstgeschichte insgesamt bedeutet und wie heute mit einer solchen Involvierung umzugehen ist.


Stefanie Heraeus (Hg.)

Wörter, Sprache, Gespräche ausstellen

Wie lassen sich Wörter, Sätze, Gespräche und andere sprachbasierte Kommunikationsformen ausstellen? Und wie verändern Gesprächsmodi - als Konzept, Performance, Sound oder Code, Notiz oder Aufzeichnung - das Format und den Raum der Ausstellung? Die Beiträge des Bandes widmen sich diesen Fragen und stellen dabei gegenwärtige künstlerische Positionen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen ins Zentrum. Ausgangspunkt der Diskussionen sind zwei kuratorische Projekte in Frankfurt am Main: Die Ausstellung 215 mit Leo Asemota und Nástio Mosquito im Portikus und Subject:Fwd:Unknown mit Michal Heiman, Nora Turato, Tim Etchells und Yutie Lee im Projektraum fffriedrich.

Mit Beiträgen u.a. von Fiona Geuß, Heike Gfrereis, Christina Lehnert, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Philippe Pirotte.

Vom Wort zur Kunst. Künstlerzeugnisse vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart


Hrsg. Helen Barr, Dirk Hildebrandt, Ulrike Kern und Rebecca Müller

Für die kunsthistorische Forschung liefern Textquellen wichtige Indizien zur Erschließung von Artefakten und ihren Entstehungskontexten. Aussagen der Künstler*innen gelten dabei traditionell als hochgradig authentisch: Wer sollte ihr Werk besser kennen und erklären können als sie selbst? Der Band stellt neue Forschungsansätze zum Sprechen und Schreiben von Künstlern vor und trägt damit zu der aktuellen Diskussion über Künstlerimages, Künstlerrollen und die Reflexion künstlerischer Produktion bei. Mit dem einleitenden Abriss über Textgattungen und Genres, in denen Künstler*innen seit dem Frühmittelalter gesprochen und geschrieben haben, liegt erstmalig ein chronologischer Überblick von Künstlerselbstaussagen vor.

Die Publikation ist aus der Ringvorlesung „Der Künstler spricht“ am Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt im Sommersemester 2017 hervorgegangen.

Mit Beiträgen von
Helen Barr, Johannes Endres, Johanna Függer-Vagts, Heidi C. Gearhart, Dirk Hildebrandt, Henry Keazor, Antje Krause-Wahl, Christine Ott, Bruno Reudenbach, Berit Wagner, Iris Wien und Andreas Zeising

332 S. m. 65 überw. farb. Abb.
ISBN 978-3-942819-52-4
EDITION IMORDE

Demnächst als Taschenbuch erhältlich:

Mehr als ein Haus! Marcel Breuer in Wiesbaden

von Carsten Ruhl (Herausgeber, Autor), Chris Dähne (Herausgeber, Autor), Matthias Brunner (Autor), hla.studio (Designer), Center for Critical Studies in Architecture CCSA (Series Editor)



Nachruf

​PD Dr. Gerlinde Gehrig

Mit dem Tod von PD Dr. Gerlinde Gehrig im Januar 2021 hat die Kunstwissenschaft eine außergewöhnliche Vertreterin verloren, deren zupackende Urteilskraft den ehemaligen Mitgliedern des Frankfurter Graduiertenkollegs „Psychische Energien bildender Kunst“ in guter Erinnerung sein wird. Der quellenkritischen historischen Arbeit und der induktiven Auseinandersetzung mit den Originalen war sie ebenso verpflichtet wie dem Dialog zwischen Kunstgeschichte und Psychoanalyse, den sie mit wesentlichen theoretischen Beiträgen und praktischen Anwendungsbeispielen bereichert hat. Dieses Wirken reicht weit über das von Klaus Herding begründete Graduiertenkolleg (1997-2004) hinaus, an dem sie als Doktorandin und Postdoktorandin beteiligt war. Anhand ihres Dissertationsthemas entwickelte sie aus ihrem Verständnis der psychoanalytischen Konzepte Melanie Kleins eine Methode des szenischen Verstehens, die eine Annäherung an die Phantasmen im Werk Alfred Kubins ermöglichte. Gleichwohl traumatische Kindheitserlebnisse in Werken Kubins verarbeitet werden, erkannte Gehrig in der im Anschluss an den Leonardo-Aufsatz von Sigmund Freud entstandenen Psychobiographik keine tragfähige Methode. Dass eine psychoanalytisch reflektierte Deutung weder Kontextwissen noch die Eigenlogik künstlerischer Werke ausblenden darf, unterstrich sie in späteren Beiträgen, die Zusammenhänge mit kulturellen Vorstellungsbildern wie dem des Totentanzes sowie Kubins offensive Selbstdarstellung als „Skandalautor“ für differenziertere Interpretationen heranziehen.

Zugleich bedachte sie die intermediale Dimension von Texten und Bildern, die im Zusammenhang der Illustrationen zu Hofmanns „Sandmann“ dichte Lektüren der Texte von Freud und Hofmann bedingen. Vorgeführt wird dies in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Orte des Unheimlichen“, für den sie als Mitherausgeberin fungierte. Nach Ende des Graduiertenkollegs hat Gehrig die von Falk Berger am SFI initiierte Konzeption und Publikation des „Handbuchs Psychoanalytischer Begriffe für die Kunstwissenschaft“ entscheidend vorangetrieben; vor allem ihrer Beharrlichkeit ist das Gelingen dieses Vorhabens zu verdanken. Das Anliegen, durch produktive Re-Lektüren Freuds ein psychoanalytisches Verständnis des Bildes zu entwickeln, das für die heutige Kunstgeschichte anschlussfähig ist, kommt in ihren eigenen Beiträgen mustergültig zum Ausdruck. Eine weitere Forschungslinie des Graduiertenkollegs, die Emotionsforschung, versah Gehrig mit einem deutlich feministischen Akzent und verwies damit nicht nur auf Desiderate dieses Projekts, sondern auch auf blinde Stellen des zeitgenössischen Kunstdiskurses. Ihr im Band „Die Ästhetik affektiver Grenzerfahrungen“ veröffentlichter Vortrag zum „Gefühl der Scham in den Körper-Inszenierungen von Vanessa Beecroft“ regte denn auch bei der Heidelberger Tagung eine lebhafte Diskussion an. Zu Zeiten des Graduiertenkollegs hatte sie in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Modelle künstlerischer Produktion“ in einer Arbeit Jeff Walls eine angstbesetzte Nahtstelle zwischen schlichter Realität und Imagination aufgedeckt.

In ihrer unveröffentlicht gebliebenen Habilitationsschrift „Schicksale des Affektiven bei Sigmund Freud und Jeff Wall“ verwirklichte sie das von Ilse Grubrich-Simitis geforderte „Zurück zu Freuds Texten“, indem sie zwischen Theorietexten und Fotokunst Jeff Walls eine diskursive Konstellation aufspürte, die es entlang der offenkundigen, sowie der über Benjamin und Barthes vermittelten indirekten Freud-Lektüren Walls fruchtbar zu machen galt. Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ identifizierte sie als ein Subtext dieser Beiträge und führte aus: „Auch Wall bezieht sich (…) auf Freuds Unheimliches. Hier [in Dan Grahams ‚Glashaus', U.P.] ist der Kontext die gläserne Herrschaftsarchitektur der Moderne, in welcher autoritäre Führergestalten ein unheimliches Blick-Regime installieren. Eine verwandte Thematik zeigt sich auch in ‚A Ventriloquist at a Birthday Party in October 1947': ein Diskurs über väterliche/männliche Macht, Täuschung und visuelle Repräsentation.“ Gehrig zufolge ermöglichen es Freuds vom Subjekt ausgehenden Vorstellungen weit besser als Lacansche und Deleuzesche Begrifflichkeiten, die in Walls Texten und Fotografien am Werk befindlichen Vorstellungen von Affekt zu erfassen und zu deuten. „Sein Interesse gilt dem Ausdruckspotential der menschlichen Gestalt, wie es sich als Ergebnis sozialer und politischer Machtverhältnisse zeigt.“ Dies nachzuweisen, gelingt ihr anhand der von Wall theoretisch konzeptualisierten und in seinem künstlerischen Werk implizierten „Mikrogestik“. In den Kapiteln zu Walls Arbeiten „Odradek“ und „A Ventroloquist“ wird exemplarisch deutlich, was Herding als durchgängige Qualität hervorhob: „Systematisch begibt sich [Gehrig] auf die Suche nach beunruhigenden Elementen.“

Seit 2010 lehrte Gehrig als Privatdozentin am Kunstgeschichtlichen Institut und führte dabei ihre Seminarkreise zu den Originalen in ihrer Heimatstadt Darmstadt. Ihre Tätigkeit in der Lehre und Vermittlung motivierte in den letzten Jahren eine verstärkte Zuwendung zur lokalen und regionalen Kunstgeschichte, auf deren Verknüpfung mit zentralen Ereignissen der Moderne – so Kubins Entdeckung der Sammlung Prinzhorn – sie in Aufsätzen hinwies. In einer Reihe jüngerer Publikationen zur Planung und kunstgeschichtlichen Einordnung des Darmstädter Paulusviertels nahm sie eine entschiedene Neubewertung des Heimatstils im Städtebau um 1900 vor, die aus konkreten Analysen von Werken Friedrich Pützers heraus argumentiert. Das lange im Schatten des Jugendstils der Mathildenhöhe stehende, einst aber überregional bekannte Paulusviertel und das Werk Pützers wollte sie im Zuge einer Rehabilitierung der Reformarchitektur wieder ins Licht rücken. Bei der Tagung „Recoding the City“ an der ETH Zürich betrachtete sie die von den Planungsprinzipien Camillo Sittes ausgehende Umgestaltung Darmstadts in der Ära des Großherzogs Ernst Ludwig in ihrer Gesamtheit und hob gegenüber den Verlusten durch die „Haussmannisierung“ die Ausrichtung auf die Lebensqualität der Bewohner hervor. Auch die FAZ erkannte 2015 in Gehrigs Aufarbeitung, die überraschende Parallelen zwischen Paulusviertel und Mathildenhöhe zog, „hochaktuelle Thesen“ zur Welterbe-Bewerbung. Vor dem Hintergrund der rezenten Ernennung der Mathildenhöhe zur UNESCO Welterbe-Stätte wäre ein solcher, an das Unbewusste einer Stadt rührender Geist weiterhin vonnöten; die Forschung muss auf einen unbestechlichen Blick verzichten.

(Ulrich Pfarr, November 2021)

Farbe. Eine Kunst- und Wissensgeschichte

Ringvorlesung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dienstags 18:00-20:00
Campus Westend, Theodor-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Hörsaalzentrum HZ 3

Organisiert von Prof.'in Dr. Mechthild Fend Dr. Mechthild Fend und Dr. Ulrike Kern


Die Farbe ist eines der wichtigsten Elemente der visuellen Künste. Die Malerei lebt durch die Farbe, Skulpturen sind und waren häufiger farbig als gemeinhin ange­nommen. Doch ist das Verhältnis zu diesem Bildelement oft ein ambivalentes. Der vorgeblich rationalen Linie oder Form wurde die Farbe vielfach als sinnlich oder verführerisch gegenübergestellt. Dabei wurde sie bald bewundert und bald als akzidentiell, trügerisch oder gar irrational abgewertet und aufgrund dieser Zuschrei­bungen weiblich konnotiert. Nicht selten wurde Farbe in Europa auch mit dem Wilden und Exotischen assoziiert. In kolonialen Zusammenhängen wurden Farb­exzesse mit nicht-europäischen Kulturen in Verbindung gebracht, während gleichzeitig Färbemittel wie Indigo zu den begehrtesten und wertvollsten Produkten des globalen Handels und der kolonialen Ausbeutung gehörten.

Die Vorlesungsreihe stellt die Frage nach dem Verhältnis zwischen der Kunst­geschichte und der Wissens- und Industriegeschichte der Farbe. Von besonderem Interesse ist dabei die Farbproduktion in der ehemaligen IG Farben (im Volksmund auch ‚Rotfabrik' genannt), in deren Verwaltungsgebäude heute Teile der Goethe-Universität untergebracht sind. Die Höchst-AG spezialisierte sich auf die Entwicklung und Herstellung synthetischer Farben und produzierte als erste chemische Fabrik künstliches Indigo. Die Ringvorlesung knüpft an die jüngste Forschung an, die sich neben der sich wandelnden Semantik der Farbe verstärkt auch dem historischen Farbwissen sowie der materiellen Kultur von Pigmenten und natürlichen wie synthetischen Färbemitteln zugewandt hat. Außerdem fragt die Vorlesungsreihe nach dem Verhältnis von Körper und Farbe, insbesondere der Verschränkung von künstlerischem und naturgeschichtlichem Wissen von der Hautfarbe.

Colour. A History of Art and Knowledge
Lecture Series, Tuesdays 18:15–19:45

Colour is one of the most important elements of the visual arts. It is essential for painting. Sculptures too were more frequently polychrome than generally believed. Still, the attitude towards colour is often ambivalent. Considered sensuous and seductive, it was often juxtaposed with the allegedly rational line or form. As such it was at times admired but also dismissed as accidental, deceptive or irrational and, because of these attributions, gendered feminine. In Europe, it was not uncommon to associate colour with the wild and exotic. Especially in imperial contexts, colour excesses were attributed to non-European cultures, while dyes such as indigo were among the most sought-after and costly goods of the global trade and of colonial exploitation.
 
The occasion for this lecture series is the upcoming relocation of the Goethe University’s art history department from Bockenheim to the new Westend Campus situated on the grounds of the former administration of the IG Farben (‘dye industry corporation’), the consortium of the German chemical and pharmaceutical industry. The Hoechst AG (near Frankfurt) specialized in the development and fabrication of synthetic dyes and was the first chemical factory to produce artificial indigo. Departing from this history, the lecture series will raise the question of the connections between the art history of colour on the one side and the industrial history of colour and history of colour knowledge on the other. It ties in with recent topical research on colour, which considers not only the changing semantics of colour but also the material culture of pigments and natural or synthetic dyes as well as colour as an object of knowledge. Moreover, the lecture series raises the issue of the entanglement of colour and the human body, especially the entwined artistic and anthropological knowledge of skin colour. 


Programm

26.04.2022Esther Leslie, Birkbeck College London
Red Green Blue: IG Farben's Chemical Colours and the Contamination of Everything

3.05.2022Giulia Simonini und Friedrich Steinle, TU Berlin
Farbtheorien des 18. Jahrhunderts und die Grundfarbe Rot in der Dreifarbenlehre



10.05.2022Ad Stijnman, Amsterdam
Wahre Farben: Jacob Christoff Le Blon und Jan L'Admiral – technische Aspekte des Dreifarbendrucks

24.05.2022Melissa Hyde, University of Florida, Gainesville
Men in Pink

31.05.2022Karin Leonhard, Universität Konstanz
Die Erweiterung der Palette. Künstler im Labor 1580-1680      

14.06.2022Kirsty Sinclair Dootson, University of St Andrews        
Skin, Colour, and Sensitivity: The Racial Histories of Chromatic Cinema

28.06.2022Carole Biggam, University of Glasgow
Blue in Early English: A Most Elusive Concept

12.07.2022Ben Pollitt, The Courtauld Institute, London
Colour, Climate, Weather (1770-1870)


Entworfene Ordnungen / Designed Orders

Ringvorlesung des LOEWE-Schwerpunkts “Architekturen des Ordnens"  
Lecture Series of the LOEWE Research Cluster “Architectures of Order"
Infos zur Anmeldung auf Zoom folgen hier: https://architecturesoforder.org/event/entworfene-ordnungen/
bzw. über Qis/LSF 
Organisiert von Dr. des. Lena Holbein
Entworfene Ordnungen
Der architektonische Entwurfsprozess zielt auf das Herstellen neuer Ordnungen und wird gleichzeitig selbst durch seine praktischen, technischen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen strukturiert. Dieser doppelten Relation spürt die Ringvorlesung des LOEWE-Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“ im Sommer- und Wintersemester 2022/2023 nach. Jeder Entwurf imaginiert Zukunft und stellt einen Versuch dar, eine neue räumliche – und damit stets auch soziale – Ordnung hervorzubringen. Dieser projektive Zugriff auf noch Unbekanntes und Ungedachtes setzt dabei planerische Konventionen, bauliche Standards, rechtliche Vorgaben und etablierte architektonische, urbanistische und gesellschaftliche Vorstellungen zueinander ins Verhältnis, überdenkt und dynamisiert sie. Die Ringvorlesung fragt, in welcher Weise das Entwerfen die Interaktion dieser verschiedenen und heterogenen Faktoren strukturiert und welche Rolle die Bedingungen, Normen und Werkzeuge des Entwerfens spielen. Während die Ringvorlesung im Sommersemester der Frage nachgeht, wie Ordnung in den Entwurfsprozess kommt, nimmt das zweite Halbjahr das Wechselverhältnis von Entwurfsprozessen und ihren spezifischen Entwurfsgegenständen in den Blick.



Designed Orders
The architectural design process aims to create new orders and at the same time is, itself, structured by its practical, technical, social, and legal frameworks. The lecture series in the 2022/2023 summer and winter semester traces this double relation. Each design imagines the future and represents an attempt to create a new spatial – and thus always social – order. This projective access to the unknown and unthought places planning conventions, construction standards, legal requirements and established architectural, urbanistic and social ideas in relation to each other rethinks them, and makes them dynamic. The lecture series asks how design structures the interaction of these different and heterogeneous factors and what roles the conditions, norms, and tools of design play. While the series of lectures in the summer semester explores the question of how order comes about in the design process, the second half of the year examines the interrelationship between design processes and their specific design objects.

The lecture series will take place in the summer semester in hybrid mode (presence and via Zoom) on the Westend campus of Goethe University Frankfurt.


Information on how to register on Zoom will follow here: https://architecturesoforder.org/en/event/ordered-design/

Programm

Die Veranstaltungsreihe findet im Sommersemester im Hybridmodus (Präsenz und via Zoom) auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt an folgenden Terminen statt:


21.04.22, 18:00 s.t.
CLAUDIA MAREIS (Humboldt-Universität Berlin)
»Kombinatorische Kreativität: Entwerfen und Erfinden zwischen Ordnung und Kontingenz«

05.05.22, 18:00 s.t.
LIONEL DEVLIEGER (Ghent University, RotorDC)
»Assembling Fragments: Designing with Salvaged Building Components«

02.06.22, 18:00 s.t.
NATHALIE BREDELLA (Karlsruher Institut für Technologie) mit NICK FÖRSTER (Technische Universität München) und BENJAMIN BEIL (Universität Köln)
»Tools of Play: Planungsstrategien der Metastadt«

07.07.22, 18:00 s.t.
HAUKE HORN (Universität Mainz)
»Eine Frage des Geldes? Immobilienwirtschaft und Kommunalpolitik als ordnende Kräfte bei Planung und Bau von Bankhochhäusern in Frankfurt a. M.«

Veranstaltungsort: Casino auf dem Campus Westend, Raum 1.811

>Ausnahme: Der Vortrag am 07.07. findet im ExNo-Gebäude, Raum EG.01 statt.

Infos zur Anmeldung auf Zoom folgen hier: https://architecturesoforder.org/event/entworfene-ordnungen/

Semesterschwerpunkt im Sommersemester 2022

Skulptur

Dieses Semester widmet sich der Semesterschwerpunkt der Skulptur und ihren Neufassungen und Erweiterungen seit der Moderne. Neben grundsätzlichen Einführungsveranstaltungen werden Seminare angeboten, die die Verbindungen zwischen Skulptur und Geschlecht untersuchen und die Einflüsse von sich verändernden Technologien auf die Materialität skulpturaler Arbeiten. Monumente und Architekturen als Ausdruck politischer Macht und insbesondere rassistischer und kolonialer Gewalt werden ebenso diskutiert wie die Bedeutung raumbezogener und objektbasierter Praktiken in derInstitutionskritik. Das Angebot wird durch Exkursionen und einen workshop, organisiert im Rahmen der Chillida-Gastprofessur, ergänzt.
Veranstaltungen im Semesterschwerpunkt: 

  • Dr. Christian Berger (Chillida Gastprofessur): „In Ermanglung einer besseren Bezeichnung“ – Positionen zum Skulpturbegriff seit den 1960er Jahren (Proseminar)
  • Dennis Brzek: Kunst als gesellschaftliches System: Institutionskritik seit 1968 (Proseminar)
  • Prof.'in Dr. Lea Kuhn: Skulptur und Geschlecht (Proseminar)
  • Dr. Daniela Ortiz dos Santos: Unesco Making Architecture Culture (Hauptseminar)
  • Dr. Christian Berger (Chilled Gastprofessur): Monumente in der zeitgenössischen Kunst (Masterseminar)
  • Prof.'in Dr. Antje Krause-Wahl: Future Bodies from a Recent Past – Skulptur in den 1980er und frühen 1990er Jahren (Masterseminar)

Semesterschwerpunkt im Wintersemester 2021/2022

​‚Architektur, Archive und Aktivismus‘

In Architektur, Archive und Aktivismus werden Archive und Archivarbeit als potentielle Formen des Aktivismus im Bereich der Architekturproduktion und des Architekturdiskurses reflektiert. Aktivismus impliziert einen politischen Anspruch, wenn wir das Politische als einen kommunikativen und konfliktbehafteten Raum verstehen, in dem wir alle als Gesellschaft entscheiden, wie wir gemeinsam handeln. Archive sind weder neutrale noch stabile Institutionen. Sie sind selbst historische und politische Gebilde. Sie bewahren, legitimieren und prägen sowohl die Produktion als auch die Geschichte und Theorie der gebauten Umwelt.

Was ist ein Archiv oder was kann es sein? Wie können wir die Stadt als ein Archiv betrachten? In Anbetracht der Tatsache, dass jedes Archiv eine bestimmte und kuratierte Perspektive repräsentiert, beschäftigt sich das Seminar nicht nur mit der Frage, wie, warum und durch wen Archive konstruiert werden. Es möchte auch Wege erkunden, um bestehende Archive kritisch zu befragen und vielleicht sogar zu dekonstruieren. Können de-koloniale, feministische, soziale und anti-rassistische Ansätze in der Arbeit mit Archiven als Formen des Aktivismus betrachtet werden? Unser Bestreben ist es, von einer übersichtgebenden, historischen Perspektive auf die Architekturforschung abzuweichen und eine Plattform für den Austausch von situierten Positionen, Thesen und Erzählungen vorzuschlagen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des CCSA (criticalarchitecture.org)

Lehrveranstaltungen zum Semesterschwerpunkt:


- Ringvorlesung „Architecture, Archive, Activism“, organisiert von Carsten Ruhl, donnerstags 10-12 Uhr (online)
  • 04.11.2021: Rembert Hüser (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main), »Wasser im Archiv«
  • 18.11.2021: Samuel Burgum (Birmingham City University/Urban Institute, University of Sheffield) »This City is an Archive! Squatting History and Urban Authority«
  • 02.12.2021: Knut Ebeling (Kunsthochschule Berlin Weißensee) »Toute la mémoire du monde. Vom Archiv der Stadt zur Stadt des Archivs«
  • 16.12.2021, Hana Gründler (Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Florenz »Action or Retraction? Prague as an Im/material Archive, 1950–1980«
  • 27.01.2022: Anne Hultzsch (ETH Zürich) »Writing Her Own Archive«
  • 10.02.2022: Samia Henni (Albert Hirschman Chair for Identity Passions between Europe and the Mediterranean at the Institute for Advanced Studies, University of Marseilles) »Illegal or Secret? On France’s Classification of Declassified Archives«
     Aufzeichnungen der Vorträge werden im Anschluss auf Youtube verfügbar sein: https://www.youtube.com/channel/UCsG4hO4yXt0NAwUzCMrugiw

- CCSA Seminar: „Linking Architecture, Archives and Activism”, organisiert von Sarah Borree (LOEWE/CCSA, Goethe-Universität Frankfurt), Frederike Lausch (TU Darmstadt) und Daniela Ortiz dos Santos (CCSA, Goethe-Universität Frankfurt)
Das Seminar ist ein gemeinsames Seminar des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt, in Zusammenarbeit mit Oliver Elser vom Deutschen Architekturmuseum. Die Vorträge finden in englischer und deutscher Sprache statt

- Tagesexkursionen in Frankfurt und Darmstadt, organisiert von Sarah Borree, Frederike Lausch und Daniela Ortiz dos Santos, 2.11.2021 und 4.11.2021
Die Tagesexkursionen „Frankfurt postkolonial“ und „Darmstadt auf einen Blick“ sind eine gemeinsame Veranstaltung des Kunstgeschichtlichen Instituts der Goethe-Universität Frankfurt und des Fachbereichs Architektur der TU Darmstadt.

- Hauptseminar: „Geschichte(n) neu erzählen: Das Archiv in der zeitgenössischen Kunst“, organisiert von Lena Holbein, mittwochs 12-14 Uhr
Das Seminar geht der vielschichtigen Referenzierung des Archivs - als Materialfundus, Praxis und Konzept - in der Gegenwartskunst nach. Zentral scheint dabei, dass die Künstler*innen mit der Authentizität und vermeintlichen Objektivität des Archivs spielen und den dominanten Erzählungen solche gegenüberstellen, die bisher ungehört blieben.


Ortstermine und thematisch relevante Veranstaltungshinweise


- Vortragsabend: "Exploring the Effects of Architecture" mit anschließender Diskussion, 2.11.2021, 18 Uhr (onlineDrei Vortragende und eine moderierte Diskussion widmen sich der Frage: Wie wirkt eigentlich Architektur?
Hannah Le Roux (University of the Witwatersrand, Johannesburg), Kenny Cupers (Universität Basel) und Daniel M. Abramson, Pamela Karimi, Laila Seewang und Meredith TenHoor für das Aggregate Architectural History Collaborative stellen Ihre Perspektiven auf die Ordnungsmacht gebauter Architektur vor. Der Abend lädt somit ein, einen Blickwinkel einzunehmen, bei dem Architekturschaffende aus- und Architekturerfahrende eingeblendet werden. Die Vorträge und Diskussion finden in englischer Sprache statt. Die Veranstaltung wurde konzipiert von Leonie Plänkers, Nina Gribat, Pietro Cesari und Sina Brückner-Amin von Architectures of Order (https://architecturesoforder.org)

Lesekreis - Fachbereich 09 - Kunstgeschichtliches Institut

Collectivity, Collaboration, Commons: Gemeinschaften und kollektives Arbeiten in zeitgenössischen Kunstdiskursen

Ausgangspunkt der diesjährigen documenta ist das Konzept von lumbung. Das Kollektiv ruangrupa bezieht sich dabei auf den aus dem Indonesischen übersetzten Begriff „Reisescheune“, welche in ländlichen Gebieten Indonesiens gemeinschaftlich genutzt werden, um nachhaltig Ernte zusammenzutragen, zu lagern und zu verteilt. Dabei stehen Fragen nach sozialer Teilhabe, Verteilungsprozessen von Ressourcen, Wissen und Nachhaltigkeit im Vordergrund.

In diesem Lesekreis möchten wir uns mit dem Trend der Kollektiven und des gemeinschaftlichen Arbeitens in zeitgenössischen Kunstdiskursen auseinadersetzten. Zunächst sollen historische Kontexte gemeinschaftlichen Arbeitens in der Kunst besprochen werden. Bereits die Kunstproduktion der 1960er Jahre bietet durch das Aufkommen feministischer Künstler*innenkollektive und anti-rassistisch aktivistischen und künstlerischen Interventionen im öffentlichen Raum einen Ausgangspunkte dafür. Daraufhin diskutieren wir aktuelle theoretische Positionen und nähern uns dem Themenfeld aus postkolonialen, feministischen sowie queeren Perspektiven. Dies soll als Grundlage dienen, um in einem letzten Schritt konkrete zeitgenössische künstlerische Positionen näher zu betrachten.p>Neben kunsthistorische Texte, wie etwa Nicolas Bourriauds Begriff der Relationalen Ästhetik, werden auch Referenzen aus der Soziologie, Philosophie und den Queer- sowie Postcolonial-Studies herangezogen. Darunter Judith Butlers Anmerkungen zu einer performativen Theorie der Versammlung oder Silvia Federicis Auseinandersetzung mit den Commons.

Die konkrete Literaturliste soll gemeinsam in der Gruppe gestaltet werden. Der Lesekreis wird zweiwöchentlich (voraussichtlich in Präsenz) stattfinden.

Kennenlernrunde: Mi, 20.04., 16:00 - 17:30 Uhr

Ort: Wird noch bekannt gegeben

Kontakt: radiasoukni@stud.uni-frankfurt.de

Léa Kuhn

Gemalte Kunstgeschichte. Bildgenealogien in der Malerei um 1800

Kunstgeschichte wird nicht nur geschrieben, sie wird auch gemalt. Dass auch innerhalb der Malerei vermehrt kunsthistorische Ordnungsmodelle entwickelt werden, sobald sich die Kunstgeschichte als akademische Disziplin zu etablieren beginnt, zeigt diese Studie. 

Mit Blick auf die Zeit um 1800 rekonstruiert die Autorin das feine Bezugsgeflecht zwischen entstehendem Kunstgeschichtsdiskurs und zeitgenössischer künstlerischer Praxis an so unterschiedlichen Orten wie Zürich, Paris, London und New York. Dabei wird deutlich: Die hier analysierten Werke von Marie-Gabrielle Capet, William Dunlap und Johann Heinrich Wilhelm Tischbein illustrieren nicht bereits vorhandene kunsthistorische Narrative, sondern bringen selbst Vorschläge zu ihrer adäquaten Einordnung hervor – und weisen andere zurück. Geschichtsschreibung ist folglich nicht der einzige epistemologische Zugang zu (Kunst-)Geschichte und nicht die einzige Möglichkeit zu deren aktiver Gestaltung: In der Malerei selbst gibt es ein analoges Phänomen, das hier für die Zeit um 1800 erstmals umfassend nachgezeichnet wird.


Verlag Wilhelm Fink 2020
ISBN: 978-3-7705-6453-8

Daniela Ortiz dos Santos, Charlotte Malterre-Barthes, Torsten Lange und Gabrielle Schaad (Hg.):

Zeitgenössische feministische Raumpraxis

Diese Ausgabe beinhaltet keine abschließende Bestandsaufnahme der unzähligen Möglichkeiten, wie feministische Praxen eine bessere Zukunft gestalten oder zumindest aufscheinen lassen. Aus den vorgestellten geschriebenen, gesprochenen, gezeichneten, collagierten, kodierten, zusammengenähten, gelebten und gebauten Arbeiten entsteht ein großzügiger, hoffnungsvoller und zusammengesetzter Korpus von Möglichkeiten zur Transformation aktueller Bedingungen. Die Beiträge zeigen, was sich ändern muss und kann, damit Architektur und Planung angesichts der anhaltenden sozialen und ökologischen Krise relevant bleiben. Konstellationen queerer, antirassistischer, antikolonialer, solidarischer, intersektionaler und ökofeministischer Akteur­*innen brechen mit den gegenwärtigen profitorientierten, zerstörerischen und extraktivistischen Operations­modi der Architektur und Bauindustrie. Sie entpatriarchalisieren, dekolonisieren und dekarbonisieren den Berufsstand. Sie bringen die widerständigen und emanzipierten Raumpraxen hervor, die wir heute und morgen dringend brauchen. Früheren sowie aktuellen Formen feministischen Engagements verpflichtet, entwirft die hier vorgestellte unbeständige Ansammlung technisch versierter Aktivist­*innen und politisierter Student­*innen, queerer Denker­*innen, intersektionaler Historiker­*innen und kritischer Theoretiker­*innen, engagierter Designer­*innen, radikaler Archivar­*innen, kompromissloser Pädagog­*innen, Design-Kooperativen, Reparatur-Kollektiven und risikofreudiger Raumpraktiker­*innen Wege aus der Krise hin zu einer wirklich nachhaltigen Zukunft, die tief in der Gleichstellung der Geschlechter sowie der sozialen und räumlichen Gerechtigkeit verwurzelt ist. Höchste Zeit für die Architektur, Bilanz zu ziehen und sich diesem Diskurs zu öffnen!

Redaktionsorganisation: Melissa Koch und Anh-Linh Ngo

Mehr Informationen: https://archplus.net


Mechthild Fend:

Images Made by Contagion: On Dermatological Wax Moulages

Sage Journals, 17.1.2022

Online abrufbar unter: https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/1357034X211036488

Moulages are contact media – images made by contagion in the most literal sense: their production relies on a process in which the object to be reproduced is touched by the reproducing material. In the case of dermatological moulages, the plaster touches the infected skin of the sick and, once dried, serves as the negative form for the waxen image of a disease. Focussing on the collection of the Hôpital Saint-Louis in Paris, the article situates the production of dermatological moulages within the visual culture of 19th-century medicine and raises the question how an ancient technique of image production could become such a prevalent tool for the documentation of skin diseases during a period usually associated with the rise of scientific medicine and a reconsideration of theories of contagion in medical aetiology.

Markus Dauss: 

Architektur für die Nation? Frankreich im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts

Der Text fokussiert die Architektur in der französischen Hauptstadt im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Zentral ist dabei die Frage, inwieweit die Frage nationaler Repräsentation bestimmend für das Bauen in Paris war. Die Dritte Republik (1870‒1940) hatte zur (öffentlichen) Architektur – oder zumindest zu ihrer zentralen staatlichen Steuerung ‒ eigentlich ein ambivalentes Verhältnis, setzte eher punktuelle Akzente. Diese konnten allerdings herausragend sein; viele gelten bis heute, selbst wenn sie anfangs umstritten waren, als Repräsentanten der ‚Grande Nation' und ihrer Kapitale, so an allererster Stelle etwa der Eiffelturm von 1889.

(In: Kunstgeschichte, Open Peer Review Journal: https://www.kunstgeschichte-ejournal.net/588/)

Vortrag auf You Tube: https://www.youtube.com/watch?v=FH9Lv9nDUb8


Matthias Krüger, Léa Kuhn und Ulrich Pfisterer (Hg.)

Pro domo. Kunstgeschichte in eigener Sache

Wer PRO DOMO redet, spricht ›für das eigene Haus‹, das heißt in eigener Sache. Auf welche Weise Vertraute von Künstler:innen aktiv und nachhaltig Kunstgeschichte gestalten, untersucht dieser Band.
Aus dem direkten Umfeld von Künstler:innen versuchen sich immer wieder Personen an einer PRO DOMO-Kunstgeschichte: im Medium des Textes, der Fotoreportage, des Films oder des Digitalen. Solche Formen einer oft dezidiert parteiischen Kunstgeschichtsschreibung werden hier erstmals umfassend analysiert. Den Ausgangspunktbilden Schriften, die meist im unmittelbaren Umfeld von Künstler:innen – zuweilen auch in direkter Kooperation – entstanden sind und die somit gleichsam für diese das Wort ergreifen. Thematisch spannt das Buch einen Bogen vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart und fragt auch danach, was dieses PRO DOMO-Prinzip für die Kunstgeschichte insgesamt bedeutet und wie heute mit einer solchen Involvierung umzugehen ist.


Stefanie Heraeus (Hg.)

Wörter, Sprache, Gespräche ausstellen

Wie lassen sich Wörter, Sätze, Gespräche und andere sprachbasierte Kommunikationsformen ausstellen? Und wie verändern Gesprächsmodi - als Konzept, Performance, Sound oder Code, Notiz oder Aufzeichnung - das Format und den Raum der Ausstellung? Die Beiträge des Bandes widmen sich diesen Fragen und stellen dabei gegenwärtige künstlerische Positionen aus verschiedenen kulturellen Zusammenhängen ins Zentrum. Ausgangspunkt der Diskussionen sind zwei kuratorische Projekte in Frankfurt am Main: Die Ausstellung 215 mit Leo Asemota und Nástio Mosquito im Portikus und Subject:Fwd:Unknown mit Michal Heiman, Nora Turato, Tim Etchells und Yutie Lee im Projektraum fffriedrich.

Mit Beiträgen u.a. von Fiona Geuß, Heike Gfrereis, Christina Lehnert, Bonaventure Soh Bejeng Ndikung und Philippe Pirotte.

Vom Wort zur Kunst. Künstlerzeugnisse vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart


Hrsg. Helen Barr, Dirk Hildebrandt, Ulrike Kern und Rebecca Müller

Für die kunsthistorische Forschung liefern Textquellen wichtige Indizien zur Erschließung von Artefakten und ihren Entstehungskontexten. Aussagen der Künstler*innen gelten dabei traditionell als hochgradig authentisch: Wer sollte ihr Werk besser kennen und erklären können als sie selbst? Der Band stellt neue Forschungsansätze zum Sprechen und Schreiben von Künstlern vor und trägt damit zu der aktuellen Diskussion über Künstlerimages, Künstlerrollen und die Reflexion künstlerischer Produktion bei. Mit dem einleitenden Abriss über Textgattungen und Genres, in denen Künstler*innen seit dem Frühmittelalter gesprochen und geschrieben haben, liegt erstmalig ein chronologischer Überblick von Künstlerselbstaussagen vor.

Die Publikation ist aus der Ringvorlesung „Der Künstler spricht“ am Kunstgeschichtlichen Institut Frankfurt im Sommersemester 2017 hervorgegangen.

Mit Beiträgen von
Helen Barr, Johannes Endres, Johanna Függer-Vagts, Heidi C. Gearhart, Dirk Hildebrandt, Henry Keazor, Antje Krause-Wahl, Christine Ott, Bruno Reudenbach, Berit Wagner, Iris Wien und Andreas Zeising

332 S. m. 65 überw. farb. Abb.
ISBN 978-3-942819-52-4
EDITION IMORDE

Demnächst als Taschenbuch erhältlich:

Mehr als ein Haus! Marcel Breuer in Wiesbaden

von Carsten Ruhl (Herausgeber, Autor), Chris Dähne (Herausgeber, Autor), Matthias Brunner (Autor), hla.studio (Designer), Center for Critical Studies in Architecture CCSA (Series Editor)



Nachruf

​PD Dr. Gerlinde Gehrig

Mit dem Tod von PD Dr. Gerlinde Gehrig im Januar 2021 hat die Kunstwissenschaft eine außergewöhnliche Vertreterin verloren, deren zupackende Urteilskraft den ehemaligen Mitgliedern des Frankfurter Graduiertenkollegs „Psychische Energien bildender Kunst“ in guter Erinnerung sein wird. Der quellenkritischen historischen Arbeit und der induktiven Auseinandersetzung mit den Originalen war sie ebenso verpflichtet wie dem Dialog zwischen Kunstgeschichte und Psychoanalyse, den sie mit wesentlichen theoretischen Beiträgen und praktischen Anwendungsbeispielen bereichert hat. Dieses Wirken reicht weit über das von Klaus Herding begründete Graduiertenkolleg (1997-2004) hinaus, an dem sie als Doktorandin und Postdoktorandin beteiligt war. Anhand ihres Dissertationsthemas entwickelte sie aus ihrem Verständnis der psychoanalytischen Konzepte Melanie Kleins eine Methode des szenischen Verstehens, die eine Annäherung an die Phantasmen im Werk Alfred Kubins ermöglichte. Gleichwohl traumatische Kindheitserlebnisse in Werken Kubins verarbeitet werden, erkannte Gehrig in der im Anschluss an den Leonardo-Aufsatz von Sigmund Freud entstandenen Psychobiographik keine tragfähige Methode. Dass eine psychoanalytisch reflektierte Deutung weder Kontextwissen noch die Eigenlogik künstlerischer Werke ausblenden darf, unterstrich sie in späteren Beiträgen, die Zusammenhänge mit kulturellen Vorstellungsbildern wie dem des Totentanzes sowie Kubins offensive Selbstdarstellung als „Skandalautor“ für differenziertere Interpretationen heranziehen.

Zugleich bedachte sie die intermediale Dimension von Texten und Bildern, die im Zusammenhang der Illustrationen zu Hofmanns „Sandmann“ dichte Lektüren der Texte von Freud und Hofmann bedingen. Vorgeführt wird dies in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Orte des Unheimlichen“, für den sie als Mitherausgeberin fungierte. Nach Ende des Graduiertenkollegs hat Gehrig die von Falk Berger am SFI initiierte Konzeption und Publikation des „Handbuchs Psychoanalytischer Begriffe für die Kunstwissenschaft“ entscheidend vorangetrieben; vor allem ihrer Beharrlichkeit ist das Gelingen dieses Vorhabens zu verdanken. Das Anliegen, durch produktive Re-Lektüren Freuds ein psychoanalytisches Verständnis des Bildes zu entwickeln, das für die heutige Kunstgeschichte anschlussfähig ist, kommt in ihren eigenen Beiträgen mustergültig zum Ausdruck. Eine weitere Forschungslinie des Graduiertenkollegs, die Emotionsforschung, versah Gehrig mit einem deutlich feministischen Akzent und verwies damit nicht nur auf Desiderate dieses Projekts, sondern auch auf blinde Stellen des zeitgenössischen Kunstdiskurses. Ihr im Band „Die Ästhetik affektiver Grenzerfahrungen“ veröffentlichter Vortrag zum „Gefühl der Scham in den Körper-Inszenierungen von Vanessa Beecroft“ regte denn auch bei der Heidelberger Tagung eine lebhafte Diskussion an. Zu Zeiten des Graduiertenkollegs hatte sie in ihrem Beitrag zum Tagungsband „Modelle künstlerischer Produktion“ in einer Arbeit Jeff Walls eine angstbesetzte Nahtstelle zwischen schlichter Realität und Imagination aufgedeckt.

In ihrer unveröffentlicht gebliebenen Habilitationsschrift „Schicksale des Affektiven bei Sigmund Freud und Jeff Wall“ verwirklichte sie das von Ilse Grubrich-Simitis geforderte „Zurück zu Freuds Texten“, indem sie zwischen Theorietexten und Fotokunst Jeff Walls eine diskursive Konstellation aufspürte, die es entlang der offenkundigen, sowie der über Benjamin und Barthes vermittelten indirekten Freud-Lektüren Walls fruchtbar zu machen galt. Freuds Aufsatz „Das Unheimliche“ identifizierte sie als ein Subtext dieser Beiträge und führte aus: „Auch Wall bezieht sich (…) auf Freuds Unheimliches. Hier [in Dan Grahams ‚Glashaus', U.P.] ist der Kontext die gläserne Herrschaftsarchitektur der Moderne, in welcher autoritäre Führergestalten ein unheimliches Blick-Regime installieren. Eine verwandte Thematik zeigt sich auch in ‚A Ventriloquist at a Birthday Party in October 1947': ein Diskurs über väterliche/männliche Macht, Täuschung und visuelle Repräsentation.“ Gehrig zufolge ermöglichen es Freuds vom Subjekt ausgehenden Vorstellungen weit besser als Lacansche und Deleuzesche Begrifflichkeiten, die in Walls Texten und Fotografien am Werk befindlichen Vorstellungen von Affekt zu erfassen und zu deuten. „Sein Interesse gilt dem Ausdruckspotential der menschlichen Gestalt, wie es sich als Ergebnis sozialer und politischer Machtverhältnisse zeigt.“ Dies nachzuweisen, gelingt ihr anhand der von Wall theoretisch konzeptualisierten und in seinem künstlerischen Werk implizierten „Mikrogestik“. In den Kapiteln zu Walls Arbeiten „Odradek“ und „A Ventroloquist“ wird exemplarisch deutlich, was Herding als durchgängige Qualität hervorhob: „Systematisch begibt sich [Gehrig] auf die Suche nach beunruhigenden Elementen.“

Seit 2010 lehrte Gehrig als Privatdozentin am Kunstgeschichtlichen Institut und führte dabei ihre Seminarkreise zu den Originalen in ihrer Heimatstadt Darmstadt. Ihre Tätigkeit in der Lehre und Vermittlung motivierte in den letzten Jahren eine verstärkte Zuwendung zur lokalen und regionalen Kunstgeschichte, auf deren Verknüpfung mit zentralen Ereignissen der Moderne – so Kubins Entdeckung der Sammlung Prinzhorn – sie in Aufsätzen hinwies. In einer Reihe jüngerer Publikationen zur Planung und kunstgeschichtlichen Einordnung des Darmstädter Paulusviertels nahm sie eine entschiedene Neubewertung des Heimatstils im Städtebau um 1900 vor, die aus konkreten Analysen von Werken Friedrich Pützers heraus argumentiert. Das lange im Schatten des Jugendstils der Mathildenhöhe stehende, einst aber überregional bekannte Paulusviertel und das Werk Pützers wollte sie im Zuge einer Rehabilitierung der Reformarchitektur wieder ins Licht rücken. Bei der Tagung „Recoding the City“ an der ETH Zürich betrachtete sie die von den Planungsprinzipien Camillo Sittes ausgehende Umgestaltung Darmstadts in der Ära des Großherzogs Ernst Ludwig in ihrer Gesamtheit und hob gegenüber den Verlusten durch die „Haussmannisierung“ die Ausrichtung auf die Lebensqualität der Bewohner hervor. Auch die FAZ erkannte 2015 in Gehrigs Aufarbeitung, die überraschende Parallelen zwischen Paulusviertel und Mathildenhöhe zog, „hochaktuelle Thesen“ zur Welterbe-Bewerbung. Vor dem Hintergrund der rezenten Ernennung der Mathildenhöhe zur UNESCO Welterbe-Stätte wäre ein solcher, an das Unbewusste einer Stadt rührender Geist weiterhin vonnöten; die Forschung muss auf einen unbestechlichen Blick verzichten.

(Ulrich Pfarr, November 2021)

Kunstgeschichtliches Institut
Senckenberganlage 31-33, 60325 Frankfurt, T (069) 798-23668, F (069) 798-28428, Kunstgeschichte@kunst.uni-frankfurt.de